56 Cirque Gourmet 2026 bodenständige Werte, aber den Blick immer auf die Moderne gerichtet.« Das Haus selbst wirkt wie eine Bestätigung. Da die alte Stube mit ihren historischen Dielen, in der auch noch die fünfte und sechste Generation den Gründer ehren – und gleich nebenan die moderne Teestube aus den fachkundigen Händen der Holzwerkstatt Markus Faißt, einer der zahlreichen herausragenden und weit über die Landesgrenzen hinaus gefragten Handwerksbetriebe aus dem Bregenzerwald. »Der«, sagt Antonie Metzler, »könnte fünfmal so groß sein. Aber er sagt sich: Da habe ich dann nicht mehr meine Gedanken in jedem Stück, dann bin ich das nicht mehr, was da am Ende rauskommt.« Das ist auch so eine Sache, auf die man im Bregenzerwald immer wieder stößt: Dass Menschen Erfolg haben, den aber nicht um jeden Preis immer weiter und weiter ausbauen wollen, sondern für sich eine Wohlfühlgrenze ziehen. Das mag einerseits daran liegen, dass aus der früher so ärmlichen Region wirtschaftlich gesehen ein kleiner Markt mit großer Kaufkraft geworden ist, in dem man es sich auch leisten kann, innerhalb einer gewissen Größe zu bleiben. Andererseits hat es gewiss auch das Wesen des Wälders zur Ursache, der vieles tut und ausprobiert, aber sich ganz sicher nie in ein fremdbestimmtes Karriere- oder Erfolgs-Hamsterrad einspannen lässt. Genuss ohne Trommelwirbel Diese Einstellung hat im Bregenzerwald nichts Hinterwäldlerisches. Denn speziell die Gastronomie und Hotellerie wird von vielen mitgeprägt, die in die weite Welt gezogen sind und mit Erfahrungen von San Francisco bis Shanghai im Gepäck wieder heim in den Wald gekommen sind, um hier ihr spezielles Ding durchzuziehen. Und zwar ohne viel Tamtam und Trommelwirbel, sondern in der Regel mit der Überzeugungskraft von Qualität und Einzigartigkeit. Hier lässt man sich – vom Handwerksbetrieb bis zum Haubenrestaurant – noch gern behutsam entdecken und plärrt Gäste nicht mit schriller, penetranter Werbung an. Ellen Nenning, Chefin im Hotel »Gams zu Zweit« in Bezau (siehe Seite 86), erinnert sich in diesem Zusammenhang schmunzelnd an die Zeit, in der ihr Vater eine Foto: Harald Schwarz Fotos (2): Das Schiff Foto: Angela Lamprecht Ein stylisher Holzkubus verbirgt im Genießer-Romantik Hotel Das Schiff in Hittisau die moderne 3-HaubenLadenwirtschaft Ernele als Kontrapunkt zu den historischen Stuben des Stammhauses. Wenn die Gäste am Pool liegen, erhaschen sie vielleicht einen Blick auf Küchenchef Felix Groß, wenn er im Garten frische Kräuter holt.
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