Cirque Gourmet 24

29 Cirque Gourmet 2022/23 Vater und Sohn in der Küche – da können die Funken spritzen, oder es geht gut. Im Kulinarik- & Genießerhotel Alpin am Achensee geht es so gut, dass Armin und Alexander Gründler drei Hauben erkochten. eit 24 Jahren sind sie ein Team in der Küche, haben gemeinsam probiert, geirrt, ins Schwarze getroffen und triumphiert: Armin und Alexander Gründler haben das Gourmetstüberl im Tiroler Genießerhotel zu einer Topadresse für Feinschmecker gemacht. Und schon bald könnte aus dem Power-Duo ein Trio werden, denn Alexanders 18-jähriger Sohn Andre steht am Ende der Ausbildung und damit ante portas. Im Gespräch verraten sie, warum der Erfolg neben Kochkunst auch viel mit Liebe zu tun hat. Zwei Alphatiere, noch dazu Vater und Sohn, gemeinsam in der Küche. Wie funktioniert das? Alexander: Dadurch, dass ich eigentlich gleich nach der Lehre daheim angefangen habe, ging das sicher leichter. Und nachdem wir es schon 24 Jahre machen, muss es wohl funktionieren. Armin: Als der Alex zu mir in die Küche kam, haben wir das Wichtigste gleich festgelegt: Bei uns kommt nicht Vater oder Sohn auf den Teller, sondern Qualität. War eigentlich von Anfang an klar, dass Alexander auf den Spuren des Vaters wandeln will, oder hat’s da ein bisschen sanfte Hinführung gebraucht? Armin (lacht): Ganz kurz wollte er einmal Mechaniker werden, aber nur so lange, bis ich ihn gefragt habe, wie oft er schon einen Schraubenschlüssel in der Hand hatte. Das war’s dann. Essen, Trinken und Lebensmittel waren bei uns einfach immer ein Thema, die Liebe zu diesen Dingen vermittelt man, und Alexander ist da hineingewachsen. Er hat auch, wenn wir essen gingen, sobald er lesen konnte selbst bestellt. Und da kam es schon vor, dass er mit sechs, sieben Jahren eigenständig eine Tafelspitzsulz orderte. Alexander: Daran kann ich mich jetzt gar nicht erinnern. Aber wenn sich dein Umfeld den ganzen Tag damit beschäf- tigt, hast du das als Kind auch schon irgendwie drinnen. Wie sehr war das Kochen auf Hauben-Niveau bei euch eigentlich konkretes Ziel? Armin: Bei mir schon sehr. Ich musste mich ja entscheiden, wie ich das hier anlegen soll. Aber als wir die erste Haube hatten, verloren wir gleich 50 Prozent der Gäste. Dabei hatte Interview: Wolfgang M. Gran, Fotos: Johannes Kernmayer INTERVIEW DAS POWER-DUO S ich nichts verändert, weil die Haube bekamen wir ja für das, was wir vorher getan hatten. Das heißt, die Leute sind am Anfang vor dem davonge- rannt, wegen dem sie davor gekommen waren? Armin: Ja, das kann man wahrscheinlich genau so sagen. Alexander: Man muss auch erwähnen, dass der Papa immer schon eine super Küche gemacht hat, aber für manche war die Haube dann eine Hemmschwelle. Armin: Wir mussten auch lernen damit umzugehen, aber wir waren ja sehr bewusst hinter dem Gebüsch hervor- gekommen. Am Anfang haben wir zwei Karten gemacht, das hat gar nicht funktioniert. Erst als wir auch räumlich in Wirtshaus und Gourmetstüberl getrennt haben, fing es an sich richtig toll zu entwickeln. Kommen wir auf die Vater-Sohn-Konstellation zurück: Was schätzt ihr am jeweils anderen am meisten? Armin: Neben dem, wie er sich als Koch entwickelt hat, schätze ich das Gedächtnis von Alexander. Der ist wie ein Computer. Und ich bin wahnsinnig stolz auf meinen Sohn, weil er ein feiner Mensch und der beste Partner ist, den man sich vorstellen kann. Alexander: Beim Papa ist es die Konsequenz, mit der er seinem unbedingten Qualitätsanspruch und seinen Zielen nachgeht. Das bewundere ich sehr, und ich bin mir manchmal nicht sicher, ob ich das ohne ihn bei mir auch so entwickeln hätte können. Wie kommt ihr eigentlich auf neue Ideen für eure Küche? Armin: Wir setzen uns ganz bewusst an einem Ort zusammen, an dem wir unsere absolute Ruhe haben, und gehen gemeinsam unsere Ideen durch. Die können entstehen, wenn man ein Produkt anschaut, auswärts essen ist oder bei einem Seminar war. Alexander: Manchmal geht das auch ganz schnell. Aber es kommt dann schon auch vor, dass wir nach einer halben Stunde aufstehen und sagen: Das wird heute nix. Was muss man mitbringen, um so gut kochen zu können wie ihr? Armin: Die richtige Einstellung, handwerkliches Können und Liebe zu dem, was man tut. Alexander: Wir machen zwar jeden Tag das Gleiche, dabei aber immer etwas Neues. Das ist das Faszinierende an diesem Beruf, dass es immer spannend bleibt.

RkJQdWJsaXNoZXIy NzA5MzY2