Cirque Gourmet 24
39 Cirque Gourmet 2022/23 eide lieben wir die Wachau«, sagt Michael Donabaum, »die Landschaft, die Terrassen, das Terroir. Und wir respektieren die Arbeit der lokalen Winzer. Doch das Allermeiste, das hier erzeugt wird, entspricht einfach nicht unseren Vorstellungen.« Darum gründete Donabaum, der einer lokalen Weinbaufamilie in Spitz entstammt, gemeinsam mit seinem Geschäfts- und Lebens- partner Daniel Vogelwaid im vorpandemischen Jahr 2019 ein eigenes kleines Weingut mit dem hübschen Namen »von der Vogelwaide«. An die 17 Weingärten wurden gepachtet, verstreut über nahezu alle Gemeinden des Weinbaugebiets, viele davon auf schwer zugänglichen Terrassen. Und dazu einen ehemaligen Heurigen am rechten, stilleren Donauufer. Dort keltert man nun Weine, die für die Wachau recht verblüffend sind. »Französischer« Stil »Auf eine frische, vordergründig aromainten- sive Stilistik, wie sie für hier typisch ist, stehen wir nicht so sehr«, sagt der Württemberger Vogelwaid, der einige Jahre auf renommierten Weingütern in gleich mehreren Regionen Frankreichs gearbeitet hat, »viel mehr wollen wir Weine machen, die gut altern, sich mit der Zeit verbessern.« Dazu setzt man auf schonende Pressung, auf Spontanvergärung und Reifung in gebrauchten Holzfässern, wie sie bei den meisten Winzern der Region verpönt sind. Das Resultat sind cremige, reinsortige Grüne Veltliner und Rieslinge sowie Cuvées mit vor- nehmem Mundgefühl, langem Abgang und elegantem Säurespiel. Dazu mit bereits schöner Trinkreife und zugleich deutlichem Alterungs- potenzial. »Flaschenreifung ist für uns ein ganz wesentlicher Faktor, bei dem sich der Wein erst richtig entwickelt«, erklärt Vogelwaid und bestätigt damit den starken Einfluss der französischen Weinkultur auf seine Arbeit. B » Alles in Handarbeit Arbeit gibt es übrigens reichlich auf dem kleinen Weingut. Da wären zum einen die hochgelegenen Terrassen, die in den meisten Fällen derartig schwierig zugänglich sind, dass man sie nur händisch bewirtschaften kann. »Wir wollten keine Weingärten, die zuvor mit schweren Maschinen bearbeitet wurden«, so Vogelwaid, »sondern solche mit leichten, lockeren Böden und lebendigem Erdreich.« Dann ist da auch die weite Verstreuung der zahlreichen Parzellen und Lagen auf mehrere Gemeinden, die die Jungwinzer zu höchstmöglicher Mobilität und unzähligen Donauquerungen verdonnert. Und schließlich die noch weitgehend per Hand erledigte Kellerarbeit. »Bei uns wird noch jede einzelne Flasche händisch verkorkt, mit Wachs versiegelt und etikettiert«, ächzt Donabaum. Angesichts ihrer Philosophie und des Arbeitsaufwands, den sich die beiden antun, scheint es nur logisch, dass man bereits jetzt geprüft biologisch wirtschaftet; und eine biodynamische Zertifizierung bislang nur daran scheiterte, weil ein paar Marillenbäume in unmittelbarer Nähe konventionell bewirt- schaftet werden. Möglichst umweltschonende und naturnahe Arbeitsmethoden sind selbstredend Pflicht. Von trendigem »natural wine«, wie er gerade angesagt ist, will man dennoch nicht sprechen. Zum einen, weil Schwefel zum Schutz des Weines zwar behutsam, aber dennoch eingesetzt wird. Zum anderen aber vor allem, weil die Weine von der Vogelwaide viel klarer, defektfreier und trinkfreudiger daherkommen, als man das von einem großen Teil der »Naturweine« gewohnt ist. WEINGUT VON DER VOGELWAIDE 3621 Mitterarnsdorf 61 T. +43 (0)681 / 20 22 72 23 oder +43 (0)660 / 47 44 050 www.vondervogelwaide.at 2019 Tandaradai Grüner Veltliner Strahlendes Stroh- bis Goldgelb, würzige Nase, ein Hauch von Karamell, zurückhaltende Frucht. Präsente Säure, saftig und kräftig. Im langen Abgang bleiben Würze und Apfelnoten untermalt von Brioche-Noten. Reifepotenzial. 2019 Tandaradai Riesling Strahlendes Gelb mit goldenen Reflexen, fein fruchtige Nase, Zitruszesten, weißer Pfirsich und Apfel, Aromen von Kamille und Thymian, schöne Säure-Balance, vielschichtig. Im Abgang langer Nachhall. Sehr gutes Reifepotenzial.
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