Wachau Magazin 2026

94 | WACHAU MAGAZIN 2026 Fotos (2): David Mayrhofer nen, vielleicht noch unerzählten, sind ein Teil von uns. Ich habe meine Liebe zur Geschichte gefunden«, sagt Gräfin Alix. Artstetten ist für sie Kulturgut und historisches Gedächtnis. Und die Geschichte der eigenen Familie ist gleichzeitig jene Europas. Perspektivenwechsel »Geschichte muss man spüren«, ist die Gräfin überzeugt. Deshalb hat sie gemeinsam mit ihrem Team die Dienstboten-Führungen entwickelt. Dabei schlüpfen die Kulturvermittler in historische Kostüme und Rollen: Leibarzt, Hausdiener oder Gouvernante plaudern frech übers Leben bei den Herrschaften. Diane Temper führt als Kammerfrau Elise Fiala durch das Schloss. Rund 300 Stunden recherchierte sie dafür in den Archiven. Die Dienstboten der Familie haben ihre Erlebnisse niedergeschrieben. Viele dieser Dokumente sind bis heute erhalten. »Die Kammerfrau war eine Meisterin der Organisation und hatte ihr Ohr überall. Sie rückte Sophie immer in das beste Licht und war stolz, Teil des fürstlichen Lebens zu sein. Sie glaubte, in einem Märchen zu leben und beschrieb das als Dichterin und Philosophin in ihren Aufzeichnungen sehr schön«, erzählt Temper. Downton Abbey auf wachauerisch – allerdings ist hier alles echt und nicht nur ein Film. auf Erzherzog Franz Ferdinand, bei dem er in Sarajevo mit seiner Gemahlin starb. Untypisch für einen Habsburger wurde er direkt in Artstetten neben seiner geliebten Sophie bestattet. Heute ist die Gruft für viele Menschen eine Gedenkstätte, geprägt von einer mystischen Lichtstimmung. Im Schlossfoyer steht: »Friede ist kein Normalzustand, er muss täglich neu erarbeitet werden.« Auf dem Weg ins Museum wird es still in der Gruppe. Historische Puzzleteile Zum einen strahlen die Mauern herrschaftliche Ruhe aus, zum anderen öffnen sie Raum für schöne Momente. »Unsere Mitarbeiter sind ein Teil des Ensembles und irrsinnig bemüht, den Gästen die Geschichte näher zu bringen«, sagt Gräfin Alix. »Es ist nie etwas nur schwarz oder weiß. Dazwischen gibt es viele Grauzonen.« Einige werden im Museum thematisiert: Franz Ferdinand als historische Figur. Seine Liebesgeschichte. Broschen als Kommunikationshelfer. Fake-News von der Weltreise. Seine Kinder als Waisen und Nazi-Regime-Gegner. Versenkte Büsten im Schlossteich. Familienfotos. »Mein Urgroßvater Max Hohenberg hat immer gesagt, ihr könnt euch nicht vorstellen, was Angst bei den Menschen verursacht. Wir dürfen nicht urteilen. Das hat er uns weitergegeben. Wir tragen alle Geschichte in uns. Die große Geschichte wurde aufgeschrieben, aber auch die kleiEs ist ein Geschenk, in so einem Haus zu leben. GRÄFIN ALIX DE LA POËZE D’HARAMBURE-FRAYE Die Schlossgeheimnisse gemeinsam entdecken: Bei den verschiedenen Themenführungen erleben Groß und Klein die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und bekommen spannende Erzählungen zu hören. Auch im Finsteren. Herrschaftszeiten! Der ORF auf Besuch bei Familie d'Harambure-Fraye auf Schloss Artstetten:

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