Wachau Magazin 2026

74 | WACHAU MAGAZIN 2026 Foto: Lachlan Blair Foto: Johannes Kernmayer Jahr und Hektar notwendig. In der Ebene kommt man im Vergleich dazu mit einem drittel oder viertel der Stunden aus. Das erklärt, warum die Weine ihren Preis haben dürfen. Nein, müssen. Die Lagenweine der Domäne Wachau zählen zu den Besten hier. Aber auch schon ihre Gebiets-Cuvée ist top. Dabei spielt ein Anteil vom Spitzer Graben immer eine wichtige Rolle. Er steuert Lebendigkeit, Frische und Spannung bei. ENGE TERRASSENWEINGÄRTEN Der Spitzer Graben steht für eine etwas sehnigere, straffere Stilistik im Vergleich zur restlichen Wachau. Manchmal geben sich die Weine in der Jugend etwas zugeknöpft, haben aber enormen Tiefgang. Nicht selten tritt der Rebsortenausdruck in den Hintergrund und lässt dem Herkunfts-Charakter den Vorrang. Die Hauptsorte im Spitzer Graben ist der Grüne Veltliner, gefolgt vom Riesling, der großes Potenzial für die Zukunft hat. Diese Rebsorte führt zum Weingut Högl. Es befindet sich direkt am Fuß der Ried Bruck. Die Lage steht sinnbildlich für hochelegante Rieslinge. Bruck ist der Hausberg der Högls. Sie beginnt gleich neben ihrer Kellertüre. Von dort erheben sich die Rebstöcke über 200 Höhenmeter in engen Terrassen bergauf. »Teilweise gibt es nur einen Zeilenabstand von 80 oder 90 cm. Da kommt man nur zu Fuß durch«, so Winzer Georg Högl. SeinVater Josef Högl ist einer der Pioniere des hochwertigen Weinbaus der Region. Bereits vor vielen Jahren war seine Kollektion in der Spitzengastronomie vertreten. Neben Veltliner und Riesling wächst im Spitzer Graben auch der beliebte, aromatische Gelbe Muskateller. Außerdem gibt es den Neuburger. Der wird wegen seiner divenhaften Allüren in Zukunft aber vielfach aus den Weingärten verschwinden. STEINMAUERN ALS WELTERBE Ein Klassiker im Gebiet ist das Weingut Piewald. Helmut Piewald kam nach einem Umweg über eine Mechanikerlehre zurück zu seinen Wurzeln und dem elterlichen Betrieb. Prägend für ihn war die Leistung seiner Vorfahren bei der Arbeit im Kulturgut Terrassenweingärten. Sein Ziel ist es, diese für die nächsten Generationen zu bewahren. Piewald erzählt über die klimatischen Veränderungen der letzten Jahre: »In meiner Kindheit in den 1970ern hat es oft unendlich gedauert, bis die Trauben reif geworden sind. Manchmal mussten wir so lange warPflanzen auf. Die Weine zeichnen sich durch eine konzentrierte und gleichzeitig elegante Frucht, verbunden mit feiner, salziger Mineralität aus. In der steilen, 31 Hektar großen Lage wirtschaften einige namhafte Winzer. Darunter FJ Gritsch (Mauritiushof), der hier einen kraftvoll ausdrucksstarken Riesling keltert. Weiteres Top-Riesling-Terroir in seinem Portfolio ist der gesuchte, straffe Kalkofen. Auch Franz Hirtzberger ist bekannt für seinen Riesling vom Setzberg, der finessenreich und mit seinen klaren Steinobsttönen die Lage authentisch widerspiegelt. Die Familie Lagler, die in Spitz am Setzberg neben ihrem Weingut ein charmantes Hotel betreibt, keltert aus den Trauben der Riede ein feinfruchtiges, trinkanregendes Riesling Federspiel. Ein Hochgenuss ist der fantastische Blick zum Setzberg, der sich vom Betrieb des Winzers Martin Donabaum(Weingut Strawanzer, seit 1602) eröffnet. Mit seiner FrauAlexandra führt er das exquisite kleine Boutiquehotel WeinSpitz. Auf der Panoramaterrasse beim beheizten Pool lassen sich ganz entspannt seine Weine verkosten. Die Rieslinge und Grünen Veltliner vom Setzberg erzählen die Geschichte vom Gneis im Boden, vom kühlen Klima und dem steilen Rebhang. RICHTIG STEIL BERGAUF Rund 45% der Weingärten im Spitzer Graben sind in den Händen der Domäne Wachau. Die Straße, von der sich rechts und links die atemberaubend steilen Terrassenanlagen erheben, führt hinein ins Tal und hinauf zu den höchstgelegenen Reben Niederösterreichs. »Unsere Weinhauer:innen sind trotz der mühevollen Arbeit mit Herzblut dabei. Das besondere Terroir bedeutet ihnen viel«, sagt Gutsleiter Roman Horvath MW. Mit Maschinen geht kaum etwas. In der Regel sind 1.200 Arbeitsstunden und mehr pro Welterbesteig Wachau: Von Spitz nach Mühldorf. Von Spitz geht’s über die Wein- und Aussichtsberge Tausendeimerberg und Setzberg in die imposante Steinterrassen-Weinlandschaft im Spitzer Graben. Vorbei an Rieden, Eichenund Buchenwäldern sowie drei Rasthütten des Vereins Marivino führt der Weg bis Muthstall, weiter zur romanischen Burg Oberranna, entlang des Rannabachs wieder hinab ins Tal zum Kalvarienberg, nach Unterranna und weiter bis Mühldorf. Ca. 11 km, Dauer 4 h. Die Lage Zornberg bildet alljährlich in Spitz im September die landschaftliche Kulisse der »Musikalischen Weinterrassen«. Authentische Musik mitten in der Landschaft und dazu ein feines Glas Wein, ein echtes Erlebnis! Foto: Günter Standl

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