Wachau Magazin 2026

WACHAU MAGAZIN 2026 | 63 in prachtvolles Exemplar. Sattes, strahlendes Goldgelb, silberne Reflexe. So strahlend, dass man es fast schon leuchtstiftgelb nennen möchte. Und keine Spur von überreifen, müden oder gar oxidativen Tönen. Weder in der Farbe noch im Aroma. Im Gegenteil, der Grüne Veltliner Federspiel vom Dürnsteiner Kellerberg hat knapp 40 Jahre am Buckel und strahlt eine Eleganz und Kraft aus, die verblüffend ist. Klar, der Wein zeigt auch reife Noten, Kräutertee zum Beispiel, und vielleicht hatte er in den langen Jahren seines Daseins auch schon den einen oder anderen Durchhänger. Aber jetzt gerade präsentiert er sich in Topform. Malve, Mango, etwas Ananas. Reife Quitte. Subtile Mineralik und – immer noch – eine erstaunliche Länge. Während der Recherche für diesen Beitrag sind wir auf einen kleinen Schatz gestoßen. Eigentlich wollten wir beim Fohringer, einer der bestsortierten und bekanntesten Gebietsvinotheken in der Wachau, nach einem etwas älteren Federspiel suchen, um zu zeigen, dass dieser auch gut reifen kann. Dass wir auf unserer Suche allerdings einen Wein aus dem Geburtsjahrgang dieser Kategorie fanden, war eine große Überraschung. Und dass sich dieser 1986er dann auch noch in einer derart guten Verfassung präsentiert, noch viel mehr. AUFBRUCHSTIMMUNG UND EIN TRIUMVIRAT Spulen wir zurück in die 1980er-Jahre. Die Wachau sucht nach Orientierung. Nach Navigation in »rauer See«, wie Emmerich Knoll, der derzeitige Obmann der Vereinigung Vinea Wachau Nobilis Districtus, den damaligen Weinmarkt in einem Interview nannte. Da war zum Beispiel der Massenjahrgang 1982 und der darauffolgende Preisverfall, der Weinskandal 1986 und der diesem Skandal folgende Einbruch der Märkte. Die Gemeinschaft, die in dieser schwierigen Zeit entstand, darf zurecht als Fels in der Brandung turbulenter Weinzeiten betrachtet werden. Die Vinea Wachau – und damit die Region – antwortet nicht mit Lautstärke, sondern mit Ordnung. Mit einem Codex, der unter anderem Anreicherung untersagt und einen Ausbau ohne spürbaren Holzeinfluss verlangt. Es entsteht ein Triumvirat aus Stilen, an denen sich Konsumentinnen und Konsumenten verlässlich orientieren können. Die Kategorie Steinfeder steht für leichte, frische Weine mit höchstens 11,5 % Alkohol, das Federspiel für klassisch-trockene und mittelgewichtige Weine zwischen 11,5 und 12,5 % und die Smaragde für kraftvolle und lagerfähige Weine ab 12,5 % Alkohol. »Federspiel« – das klingt leicht, verspielt, fast wie ein Versprechen. Tatsächlich stammt der Begriff aus der mittelalterlichen Falkenjagd. Mit einem aus Federn gebundenen Lockvogel rief man die Greifvögel nach der Jagd zurück. In der Wachau wurde diese Metapher übernommen, um jene Weine zu bezeichnen, die weder federleicht noch E Ein erwachsen gewordenes Geburtstagskind. Findet man in Vinotheken, Kellern oder Weinarchiven... ein Federspiel aus frühen Jahren – nicht zögern. Überraschungen sind garantiert. Foto: Jürgen Schmücking

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