WACHAU MAGAZIN 2026 | 43 schlossen, doch wie seit Beginn ihrer »angeheirateten Selbstständigkeit« wird alles aus dem Garten verkocht. Darunter die Feigen vor ihrem Hotel Garni Donauwirt in Weißenkirchen (www.donauwirt.at) oder die Bitterorangen im Topf. Zwar nur Kleinstmengen, aber: »Als ich erstmals Marmelade d’raus gemacht habe, war ich restlos begeistert.« Doch zurück zum Ursprung. Und der liegt in den Körben, randvoll gefüllt mit Obst, mit dem die Tante ihres Mannes Toni eines Tages vor der Tür stand. Kirschen, Zwetschken, Himbeeren, Erdbeeren... Heute wird in »Marias Küchenhandwerk« alles reinsortig eingekocht, außer: die zitronige Zwetschke. Ein ganz besonderes Schmankerl. Die wird entsteint, von Hand geschnitten, die Zitrone filetiert, die Zeste fein geschält, verbringt eine ganze Nacht im Gelierzucker und wird dann eingekocht. Präzisionsarbeit. Und natürlich die Marille. Der Star. Auch hier, wie bei all ihrem Obst, zählt für die Donauwirtin die Herkunft. Ihre Marillenbäuerin etwa, Frau Rumpold, sei unglaublich. Seit 25 Jahren kaufe sie bei ihr. Wachauer Marillen von liebevoll gepflegten Bäumen. »Direkt aus Willendorf, unterhalb vom Fundort der Venus.« Maria Rosenberger schmunzelt. Denn ob Marmelade, Chutney oder sogar Marillensenf: »Im Oktober ist vieles bereits ausverkauft.« Erdbeeren mit Ingwer und Pfeffer Die Saison ist kurz. Kaum hängen die rosabackigen Früchte in den Bäumen, ist es auch schon wieder vorbei. Da heißt es schnell sein. Aber nicht für Dorrit Schneeweiss. Wie ihre Schwester Sabine an der Töpferscheibe hat auch sie den richtigen Dreh heraus – und zwar den mit dem Kochlöffel. Weingut, Ferienwohnungen und edle Accessoires im hübschen Laden im historischen Salzstadl in Weißenkirchen (www.wachauerwein.at) sowie die Weihnachtsausstellung – da sei das Marmeladenkochen wie eine kleine Auszeit, findet sie. Allein schon durch den Duft des Obstes. »Und wenn man damit anfängt, muss man es auch fertigmachen. Es gibt kein Weglaufen.« Sie lächelt. Die kleinen Auszeiten gönnt sie sich regelmäßig, das ganze Jahr über. Der Trick dabei: Sie vakuumiert die Früchte und friert sie ein. »Dann mache ich frische Marmelade in kleinen Chargen. Das ist mir wichtig.« Weil: Im Geschäft wolle sie immer Frisches haben. Marille, die natürlich reinsortig, aber darüber hinaus Ribisel mit Zimt, Zwetschke und dunkle Schokolade,Weingartenpfirsich mit Sekt – eine Art Bellini für Leckermäuler – oder Weintraube mit Rotwein und Tonkabohne, ein weicher und warmer Geschmack. Ihr Liebling? Die Erdbeere mit Ingwer und rosa Pfeffer. »Das ist wie Urlaub!« Sie probiert gerne, die Tante bringt manchmal Obst, die Schwester immer wieder Ideen. Und fungiert auch gleich als Vorkosterin. Liegt ja der gute Geschmack ohnehin in der Familie. auer Marillenmarmelade gekostet habe, rühre nichts anderes mehr an. Und man spürt ein wenig den Stolz auf die gemeinsamen Meisterstücke, die ordentlich aufgereiht die Regale in der »Weinbühne« des Weinguts Schmelz zieren. Wer kommt, um die vielfach ausgezeichneten Weine zu kaufen, nimmt gern ein paar Gläser vom fruchtig Süßen mit. »Marille geht am besten, in allen Varianten. Das ist halt ein Wachauer Begriff«, sagt die Winzerin. Und Bianca schwärmt: »Allein schon der Duft beim Einkochen! Das macht unsere Birgit Palmetshofer mit viel Liebe, unterstützt von Monika!« Die Früchte kommen aus dem eigenen Garten, aber vor allem von den 150 Marillenbäumen von Biancas Mutter in Wösendorf. An Regentagen, so die Seniorchefin, werde Marille gemacht. Und Neues, denn Bianca schmökert gern. »Man kennt schon am Rezept, ob das was wird oder nicht.« Da taucht die Erdbeere ihre Nase in Holundersirup, die Birne liebäugelt mit Ingwer, die Brombeere nippt am Amaretto, neuerdings flirtet der Weingartenpfirsich sogar mit weißer Schokolade. Monika Schmelz: »Ein Löffel davon auf Brioche – das ist wirklich eine Sünde wert.« Von Asperln, Birnen und ... Orangen Sünde hin oder her, eine Versuchung ist auch die süße Vielfalt von Heidi Jäger aus dem Weingut Jäger in Weißenkirchen (www.weingut-jaeger.at). Ihr Mann Roman gewinnt wahre Schätze aus den Weingärten, sie hat sich – neben selbstgemachten Köstlichkeiten für ihr weithin berühmtes, aber leider nur ein paar Mal im Jahr geöffnetes Heurigenbuffet – anderen Früchten verschrieben. Zu Beginn nicht ganz freiwillig, wie die Ernährungswissenschaftlerin sagt: »Ich habe 30 Marillenbäume, da muss man sich überlegen, was man damit tut.« Darüber hinaus Zwetschken, Asperln, Birnen, Quitten… Da ist sie ins Experimentieren und Einkochen gekommen. Und zwar recht kreativ: Die feine Säure der Brombeeren ergänzt sich perfekt mit dem Duft des Weingartenpfirsichs, Birne alleine sei langweilig, aber mit Zitrone super, ein wenig Pfeffer hole die Süße der Erdbeere heraus. Bei Marille jedoch, da hört sich das Mischen auf. »Sie ist einfach schön, wenn sie pur ist, perfekt ausbalanciert zwischen Fruchtsüße und Säure.« Nachzuschmecken auch in ihrem Röster und Kompott. »An Marille kann man sich nicht abessen.« Alles Obst ist aus ihrem Garten, außer die Zitrusfrüchte. »Die gibt’s bei uns ja nicht.« Sie lacht bedauernd. Ist doch – neben Weingartenpfirsich mit Brombeere – ihr heimlicher Liebling ihre Orangenmarmelade. Die zitronige Zwetschke Ein bisserl Zitrus darf also sein. Auch bei Maria Rosenberger. Ihre Haubenküche hat sie geZitronige Zwetschke von Maria Rosenberger. PERSÖNLICHE LIEBLINGSMARMELADEN: Weingartenpfirsich mit weißer Schokolade von Monika Schmelz. Erdbeere mit Ingwer und Pfeffer von Dorrit Schneeweiß. Orange von Heidi Jäger.
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