32 | WACHAU MAGAZIN 2026 Foto: Wögnger Berühmte Barockkünstler und berührende Votivtafeln Die Basilika von Maria Taferl ist über ihre religiöse Bedeutung hinaus eine kunsthistorische Kostbarkeit. Bedeutende Vertreter des österreichischen Barocks haben daran mitgewirkt. Allen voran Jakob Prandtauer, der 1711 die von außen nicht sichtbare Kuppel über der Vierung (wo Haupt- und Querschiff zusammentreffen) fertigstellte. Das Kuppelfresko von Antonio Beduzzi zeigt die Krönung Mariens und ist umgeben von acht Szenen aus dem Marienleben. Die Bilder auf den Seitenaltären stammen von Martin Johann Schmidt, der als »Kremser Schmidt« in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Der prachtvolle Hochaltar wurde zwischen 1735 und 1739 von Bildhauer Josef Mattias Götz unter Beteiligung des Baumeisters Johann Michael Prunner und des Goldschmiedes Johann Peter Schwendter geschaffen. Mindestens so eindrucksvoll wie die Malereien der großen Künstler sind die vielen Votivtafeln der Gläubigen. Seit mehr als 350 Jahren kommen sie mit ihren Sorgen, Bitten, Wünschen und Hoffnungen, aber auch für Danksagungen nach Maria Taferl. Viele haben sehr persönlich gestaltete Bilder und kleine Andenken für diese Schatzkammer des Glaubens hinterlassen. Idyllischer Klostergarten und ein mechanisches (!) Alpenpanorama Ein wenig Zeit sollte man für einen Spaziergang durch den Klostergarten einplanen, der in den letzten Jahren umsichtig restauriert wurde. Entsprechend der Hanglage des Taferlberges bietet er eine atemberaubende Aussicht und ist auf vier Terrassenebenen mit thematischen Schwerpunkten Rosen, Blumen, Obst und als Mariengarten angelegt. Zwei originelle Kostbarkeiten verbergen sich im Ort selbst, genau genommen im stilvoll restaurierten Gasthof Zum Goldenen Löwen: Einzigartig in ganz Österreich ist das 1910 gebaute, elektromechanische Alpenpanorama, bei dem viele bewegliche Figuren das Alltagsleben und die Freizeitbeschäftigungen der Menschen um die Jahrhundertwende zeigen. Ebenfalls zum Staunen ist die denkmalgeschützte mechanische Krippe, die – vollautomatisiert mit Licht und Ton – mit mehr als 300 Figuren die Entstehungsgeschichte des Wallfahrtsortes zeigt. Engel auf dem Taferlberg berichtet wurde, erteilte die damals zuständige Passauer Kirchenbehörde schließlich die Genehmigung für den Bau einer Wallfahrtskirche, bei der der Eichenbaum mit dem Gnadenbild mit einbezogen werden sollte. 64 Jahre Bauzeit und 19.000 Messen zum 100-jährigen Jubiläum Die Grundsteinlegung dafür erfolgte am 25. April 1660. Finanzielle Probleme sowie Pest und Kriege führten jedoch immer wieder zu Verzögerungen, sodass die Einweihung der neuen Kirche erst am 29. Juni 1724 erfolgen konnte. Rasch wurde Maria Taferl neben Mariazell zum wichtigsten Wallfahrtsort Österreichs. Im 17. und 18. Jahrhundert war der Pilgerandrang so groß, dass bis zu 25 Priester mit deren Betreuung beschäftigt waren. Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Grundsteinlegung 1760 sollen unglaubliche 700 Prozessionen abgehalten und 19.000 Messen gefeiert worden sein. Während der Aufklärung Ende des 18. Jahrhunderts gingen diese Zahlen deutlich zurück, Josef II. sprach sogar ein Wallfahrtsverbot aus, Maria Taferl wurde 1784 – um eine Schließung zu verhindern – zur Pfarrkirche. Heute steht die Basilika minor unter dem Schutz des Papstes und ist wieder das Ziel von Gläubigen aus aller Welt, zuletzt rund 300.000 jährlich. Einst Nutz- und Weinkeller ist der Klosterkeller heute stimmungsvoller Veranstaltungsort für unterschiedlichste Anlässe, von Hochzeitsempfängen bis zur Kunsthandwerks-Ausstellung beim Maria-Taferl-Adventdorf. BUCHTIPP Gruß aus Maria Taferl. Ein Wallfahrtsort erzählt Geschichte(n) von Andreas Frey, Christian Schüller & Dr. Robert Wolf Ein etwas anderer Reiseführer als unterhaltsam-spannende Zeitreise von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart. Kral Verlag, ISBN 978-3-99103-172-7, erhältlich u.a. in Familie Freys Gasthof Zum Goldenen Löwen in Maria Taferl. www.freyswirtshaus.at/ gruss-aus-maria-taferl KÄSEMARKT Ein Pflichttermin für Genießer mit rund 100 Marktständen. Neben Kleinkäsereien und Sennereien aus ganz Österreich gibt’s Fleisch- und Wurstwaren, Backwaren sowie KleinkunstHandwerk. Immer am Sonntag (8–18 Uhr) vor dem Nationalfeiertag (26. 10.). ADVENTDORF Klein, fein und sehr romantisch mit liebevoll dekorierten Hütten am stimmungsvollen Hauptplatz. Zum Verkosten gibt’s regionale Köstlichkeiten, und in der Basilika stehen Samstag und Sonntag Konzerte am Programm. Immer am ersten Advent-Wochenende.
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