20 | WACHAU MAGAZIN 2026 Die über Weißenkirchen thronende Wehrkirche Maria Himmelfahrt wurde bereits 1180 urkundlich erwähnt; der gotische Kirchenbau samt Wehrmauern stammt vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. Von der Kirche ist’s traditionell nicht weit zum Kirchenwirt (siehe auch rechte Seite), und in Weißenkirchen schmiegt er sich direkt an den felsigen Kirchberg. Die nostalgischen Gewölbestuben sind ein würdiger Abschluss einer Kirchenbesichtigung. Genussvoll sowieso angesichts der bürgerlichen Wirtshaus-Haubenküche. Wer Süßes liebt: Unbedingt die Malakoffnockerl mit Eierlikör oder den Mohnauflauf mit Zwetschkenröster (siehe Bild) probieren. 500 Jahre Wirtshaustradition Foto: Arsen Miletic Foto: Günter Standl Als wahrer Kraftplatz mit jahrhundertelanger Geschichte erweist sich das romantische Ensemble aus Wehrkirche und Teisenhoferhof im Herzen des Winzerdorfes. Ein kulturhistorisches Juwel mit sehr lebendiger Gegenwart. Text: Wolfgang Neuhuber WEISSENKIRCHEN Leichte Muse trifft Renaissance Leben, und so ist in alten Chroniken von Tanzsaal, Badestube und kostbarem Mobiliar bis hin zu Himmelbetten die Rede. Heute ist der Teisenhoferhof Sitz des Wachaumuseums mit zusätzlichen Sonderausstellungen, speziell zu den Wachaumalern sowie der Wein- und Malakademie. Ebenfalls sehenswert: die historische Weinpresse aus dem Jahre 1766. Ein bisschen Kondition kann in der Folge nicht schaden, um über die uralte, gedeckte Stiege hinauf zur Wehrkirche zu spazieren. Sie wird wie eine Festung von einer spätmittelalterlichen Mauer samt drei Ecktürmen umschlossen und birgt so manche Kostbarkeit, wie ein gotisches Taufbecken. Und sie ist für zwei Klangerlebnisse berühmt: Musik mit der Orgel aus dem Jahre 1775 und das Glockengeläut der Elferin, die (gegen Voranmeldung) auch mit Turmführung besichtigt werden kann. enn beim Schlendern durch die abendlichen Gassen Weißenkirchens plötzlich lautes Gelächter in der Luft liegt, zerkugelt sich vermutlich gerade wieder mal das Publikum der Wachau-Festspiele. Denn der von außen trutzige, fast schon wehrhaft abweisend wirkende Teisenhoferhof wird alljährlich im Sommer zur theatralischen Kulisse – mal ernst und nachdenklich beim Jedermann in seiner Originalversion, meist aber ebenso schwungvoll wie heiter bei Komödien und Singspielen. Bürgerlicher Wohlstand Der stattliche Wirtschaftshof mit seinen prächtigen Renaissance-Arkaden symbolisiert eindrucksvoll den wirtschaftlichen Aufschwung des Bürgertums. Weinhandel und Ehrenämter sicherten Besitzern, wie dem namensgebenden Heinrich Teisenhofer (1439 bis 1468), ein luxuriöses W
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