18 | WACHAU MAGAZIN 2026 Flößer und Picknick-Zille Gegen Ende der Reise zu den ehemaligen Lesehöfen der Wachau führt der Weg noch einmal zurück nach Spitz. Denn dort steht ein Barockschloss, dessen heutige Verwendung so gar nichts mehr mit der ursprünglichen Verwendung als Lesehof derer aus Niederaltaich zu tun hat. Gar nichts mehr? Das stimmt nicht ganz, denn so manches, das in diesen Lese- und Verwaltungszentren an Waren eintrudelte, wurde danach über die Donau verschifft. Und somit ist es gar nicht mehr so abwegig, dass der Erlahof seit 1970 ein Schifffahrtsmuseum ist. Eines, das sich mit der Historie der Holz- und Floßschifffahrt auf der Donau befasst, regelmäßig Sonderausstellungen zum Thema anbietet und Exponate hat, die durchaus zum Staunen anregen – wie ein Pferdeschiffszug oder eine tragbare Schifferorgel aus dem Jahr 1697, auf der heute noch gespielt wird. Angeschlossen ist zudem ein Freilichtmuseum mit einer »Picknick-Zille«, in der man nicht nur jausnen, sondern sich am sicheren Ufer ein wenig in die Donauwellen »tagträumen« kann. aber noch viel mehr zu bieten – und zwar in Vergangenheit und Gegenwart. Der Nikolaihof integriert Reste des römischen Kastells Favianis, zum Beispiel einen hufeisenförmigen Turm der im 4. Jh. vergrößerten Lagermauer. Die Originalmauern aus dieser Zeit sind teilweise bis heute erhalten und können im 800 Jahre alten Presshaus des Nikolaihofs besichtigt werden, in dem die Baumpresse mit ihrem Pressbaum aus dem Jahr 1769 einmal im Jahr in Betrieb genommen wird. Erstklassige Kulinarik und Spitzenweine, die bereits seit 1971 nach strengen biodynamischen Demeter-Richtlinien produziert werden, machen den seit über 100 Jahren im Besitz der Winzerfamilie Saahs befindlichen Nikolaihof zu einer der ganz großen Adressen. Als erstem Weingut gelang das Kunststück, bei Parker, dem wohl renommiertesten internationalen Weinführer, 100 Punkte für einen österreichischen Wein zu erobern. Ein ungemein lauschiges Plätzchen ist der Innenhof, wo Gäste unter der mehr als 100-jährigen Linde des Gutsrestaurants regionale Schmankerl genießen – in Bioqualität, versteht sich. Magische Plätze im Nikolaihof in Mautern: Die mehr als 100-jährige Kaiserlinde überdacht den Innenhof der biozertifizierten Weinstube mit ihrer regionalen Gutshofküche. Nicht minder sehenswert: der lässige »Salon 77« im stylishen Kontrast zu den historischen Steinmauern. Fotos: Johannes Kernmayer (1), Günter Standl (1)
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