Wachau Magazin 2026

WACHAU MAGAZIN 2026 | 15 nen Namen gibt. Nur die herausragenden Weine, die Martin Mittelbach nun in bereits fünfter Generation den Böden entlockt, haben mit denen aus der Zeit der Tegernseer nichts mehr zu tun. Da sind qualitative Quantensprünge passiert, und 2025 stellte man sogar den offiziellen Festivalwein der Salzburger Festspiele. Einmal Wein, immer Wein, heißt es auch bei Franz-Josef Gritsch, der in Spitz auf historischem Boden arbeitet. Sein Weingut FJ Gritsch Mauritiushof wurde im 13. Jh. als Lesehof der Mönche aus Niederaltaich in Bayern erbaut, befindet sich aber bereits seit 1799 im Familienbesitz. In 7. Generation und in oft mühevoller Handarbeit gibt sich »FJ« hier seiner Leidenschaft hin:Aber wenn man an einem Herbsttag oben im Weingarten steht und die Abendsonne die Donau glitzern und die Weinblätter leuchten lässt, weiß man: Die Mühe lohnt sich. Das Alte erhalten, aber trotzdem den Zug der Zeit nicht verpassen, ist hier am Kirchplatz von Spitz die Devise. Deshalb hat FJ Gritsch das Gut durch Zubauten in eine »Weinerlebniswelt« verwandelt, wo man in historischem Umfeld sehr lässig-luxuriös wohnen kann. Höchste Gaumenfreuden Ganz im Zeichen erstklassiger Kulinarik stehen zwei weitere ehemalige Lesehöfe stromabwärts. Das Restaurant Loibnerhof in Unterloiben gehörte einst dem Stift Ranshofen und ist mit seiner verfeinert bürgerlichen Küche längst eine kulinarische Institution. Wobei die kochenden Gastgeber Sepp und Josef Knoll ihre Gäste je nach Jahreszeit originellerweise an unterschiedlichen Orten empfangen: In den warmen Monaten im zauberhaften Gartenlokal unter Apfelbäumen, im Winter – auf der anderen Straßenseite – in den heimeligen Stuben des einstigen Lesehof-Ensembles. Und wenn schon von kulinarischen Institutionen die Rede ist, führt an der Hofmeisterei Hirtzberger in Weißenkirchen kein Weg vorbei. Sie diente ab dem Ende des 13. Jh. dem Stift St. Florian als Lesehof und hieß folgerichtig einst Florianihof. Heute steht sie im Besitz der Winzerfamilie Hirtzberger und wird mit wahrer Genusseuphorie von einem gastronomischen Dreamteam 72 dieser früheren klösterlichen Wirtschaftsgebäude sind in ihrem Baubestand noch erhalten, und die schönsten von ihnen laden zum genussvollen Streifzug. Manche haben sich zu führenden Weingütern entwickelt, andere zu kulinarischen Leuchttürmen der Wachau, und in einigen lässt sich beim Übernachten in historischem Ambiente der Hauch der Jahrhunderte atmen. Dem Wein treu geblieben Wenn ein Riesling der Riede Achleiten oder, als ungewöhnliche Spezialität, ein Rosenmuskateller im Glas funkelt, dann ist man im Kartäuserhof in Weißenkirchen, wo Jakob Stierschneider eine lange Winzertradition weiterträgt. Seit 1862 ist der Hof im Besitz der Familie, aber die Geschichte reicht viel weiter zurück. Im Jahr 1380 wurde er als Lesehof der Kartause Aggsbach erbaut, was auch die Namensgebung erklärt. Beim Weinmachen wird nachhaltig in Generationen gedacht: Gemeinsam mit seinem Vater Karl lässt Jakob das Terroir wirken und sorgt mit behutsamen Impulsen für Weine mit sehr persönlichem Charakter – stilvoll wie das gesamte Haus. Ein Stück weiter, im Dürnsteiner Ortsteil Loiben, bewirtschaftet Martin Mittelbach vom Weingut Tegernseerhof seine Weinberge. Das Gut steht auf den »zwei Huben Land«, die der römisch-deutsche Kaiser Heinrich II. vor gut 900 Jahren dem Benediktinerkloster Tegernsee geschenkt hatte – was man heute als »networking« bezeichnen würde, um sich die Gunst der Geistlichkeit zu sichern. Die bayrischen Mönche aus Tegernsee errichteten auf diesem geschenkten Stück Land jedenfalls 1176 ihren Lesehof, der dem Weingut noch heute seiFotos: Günter Standl (1), Herbert Lehmann (2), Mauritiushof (2) LINKE SEITE: In der Hofmeisterei Hirtzberger, dem einstigen Lesehof des Stiftes St. Florian, wird nun groß aufgekocht. Die Terrasse des 3-Hauben-Gourmetrestaurants (1) in Wösendorf zählt zu den stimmungsvollsten Plätzen der Wachau. Zu Weinverkostungen lädt Familie Stierschneider in die stilvollen Gewölbe des Kartäuserhofes in Weißenkirchen (2 & 3), in dem seit beinahe 650 Jahren Wein gekeltert wird. Im Herzen des biedermeierlichen Ortes Spitz hat Franz-Josef Gritsch den historischen Mauritiushof (4 & 5) in eine Weinerlebniswelt verwandelt, wo man in behaglichen Appartements auch hübsch wohnen kann. Umsonst war er nicht, der himmlische Segen, den die Kirchenfürsten des Mittelalters ihren Schäfchen in der Wachau verhießen. Jene Klöster, die auch Pfarrrechte in diesem wunderschönen Donautal hatten, ließen sich ihren geistlichen Beistand durchaus weltlich mit Weintrauben, Getreide und Vieh abgelten. Aus heutiger Sicht haben die Klöster die Wachau aber doch reich beschenkt – mit ihren ehemaligen Lesehöfen, die als architektonische Preziosen das Welterbe zieren.

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