WACHAU MAGAZIN 2026 | 11 ten ihren Einfluss. Einen Standort in der Wachau zu haben, war nicht nur aus klösterlich-spiritueller Sicht bedeutsam, die Weingärten waren auch wirtschaftlich wichtig. »Wir konnten bei unserer Untersuchung 138 Lesehöfe verifizieren – baulich, schriftlich oder durch beides«, erklärt Dr. Elisabeth Gruber. Eine beeindruckende Zahl, die sich nicht auf einmal ergab, sondern entwickelte und immer wieder veränderte. Etliche dieser Höfe verschwanden, aber überraschend viele der geschichtsträchtigen Gebäude gibt es noch heute. Auch wenn diese architektonischen Zeugen einer Zeit, in der die Wachau fest im kirchlichen Griff war, mittlerweile eine ganz andere Bestimmung haben – wie zum Beispiel der Erlahof in Spitz, der das bekannte Schifffahrtsmuseum und das Weinarchiv der Vinea Wachau beherbergt. Unter klösterlicher Kontrolle Die Klöster agierten damals nicht nur als Weinbauern, sondern außerdem oft als Verwalter des sogenannten Zehents – der kirchlichen Abgabe, die neben Wein noch Getreide oder Vieh umfassen konnte. Denn die geistlichen Herren hatten zu dieser Zeit neben ökonomischen Interessen auch pfarrliche Rechte – wie St. Florian in der Weißenkirchner Gegend oder Salzburg rund um Rossatz. Manche Lesehöfe dienten daher als Erntesammelstellen und zugleich Verwaltungszentren für ihre Einnahmen. Ein Schlüsselfaktor für die Bedeutung der Wachau im mittelalterlichen Weinbau liegt in ihrer Geografie. Die Donau nimmt hier ie Rieslinge und Veltliner der Wachau begeistern nicht nur Weinkenner aus aller Welt, ihre beidseits der Donau terrassenförmig anwachsenden Weingärten prägen mit den charakteristischen Trockensteinmauern die Kulturlandschaft auf einzigartige Weise. Von zahllosen Generationen in Handarbeit geschaffen, bilden sie ein Bindeglied zur früheren Geschichte. Gemeinsam mit einer weiteren Besonderheit, den sogenannten Lesehöfen, sind sie ein integraler Bestandteil dessen, was die Region als Welterbe ausmacht. Diese gut erhaltenen historischen Gebäude von Dürnstein bis Spitz auf der einen und von Mautern bis Aggstein auf der anderen Seite spielten als klösterliche Wirtschaftshöfe über Jahrhunderte hinweg eine zentrale Rolle in der Verarbeitung und Verwaltung des regionalen Weinertrags. Die Historikerin Dr. Elisabeth Gruber und ein interdisziplinäres Forschungsteam der Universität Salzburg haben sich diesem Thema eineinhalb Jahre lang intensiv gewidmet und Bemerkenswertes herausgefunden. Frühmittelalterliche Wurzeln Die Ursprünge der Lesehöfe reichen weit zurück. Bereits im 9. Jh. lässt sich durch Urkunden der Besitz von Weingärten durch Klöster nachweisen. In diesen Höfen, deren Aussehen und genaue Lage sich nicht exakt bestimmen lässt, wurden Erträge und Rechte verwaltet. Präzisere Überlieferungen gibt es spätestens ab dem 13. Jh. Immer mehr auswärtige Klöster – darunter bayrische, salzburger und oberösterreichische – erweiterZu sehen im Schifffahrtsmuseum: Die originelle Galionsfigur der »Fregatte Theresia«, einem Kriegsschiff von Maria Theresia! Im Wappen oben Ungarn und Böhmen, unten Burgund und Tirol und in der Mitte Österreich. Das Logo des UNESCOWelterbes symbolisiert die enge Verbindung zwischen Kulturgütern (das zentrale Quadrat) und Naturschätzen (der äußere Kreis). Es ist rund wie die Erde und steht gleichzeitig für den Schutz des gemeinsamen Erbes der Menschheit. D Weltweit in dieser Konzentration einzigartig: Zahlreiche Klöster haben im Laufe der Jahrhunderte die Wachauer Weinlandschaft geformt, ihre historischen Weinlesehöfe prägen sie bis heute. Neuer Glanz in alten Mauern Text: Wolfgang M. Gran
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