GENUSSVOLL Wo das Donautal zum Schlemmerland wird FEDERSPIEL Wo eine Weinkategorie Weltkarriere macht KULTURERBE Wo innovative Lässigkeit historische Lesehöfe prägt AUSGABE 30 / 2026 EXTRA! 76-seitiger Guide zu erstklassigen Adressen
Felix Albrecht Harta, Wachauerin vor Dürnstein, 1925 © Landessammlungen NÖ WACHAU ERLEBEN WELTERBE BIS 10. 01. 2027
as Georg Kreisler in seinem Everblack Biddla Buh« 1955 beschrieb, wurde im gleichen Jahr im Kino nachhaltig bestätigt: durch Sisis Brautfahrt mit Romy Schneider. In dieser legendären Filmszene ist nicht nur die Donau wunderschön, sondern die ganze Umgebung, eine herrliche Sehnsuchts-Landschaft, eine heile Welt, eine Idylle namens Wachau – welch ein Kontrast zum Standort vieler Zuschauer, die zehn Jahre nach Kriegsende zwischen Trümmerfeldern und tristen Neubauten lebten. Jahrzehnte später, kurz nach der Matura, lernte ich die Wachau erstmals live« kennen. Ich war mit meiner damaligen Freundin auf dem Weg nach Wien, wo wir einige Wochen verbringen wollten; wir haben in Melk Halt gemacht und sind dann die restliche Strecke an der Donau entlanggefahren. Das ist jetzt 37 Jahre her, und meine Eindrücke von dieser einzigartigen Region sind so stark, dass sie heute noch nachklingen. Ob die vielbeschriebene wunderbare Synthese von Kultur und Natur, ob die Weinterrassen, die Klöster und Burgen oder die geschichtsträchtigen kleinen Orte im Donautal – das alles ist in der Realität natürlich noch hundertmal schöner als im Film. Und schon wegen des Grünen Veltliners und der Wachauer Marillen möchte ich bald wieder hin. Ihr Jonas Kaufmann « « EDITORIAL Foto: Gregor Hohenberg Sony Music JONAS KAUFMANN LIEBE FREUNDE UND GÄSTE DER WACHAU! Jonas Kaufmann, geboren 1969 in München, gehört seit vielen Jahren zu den weltweit erfolgreichsten Klassik-Sängern. Er hat an allen bedeutenden Opern- und Konzerthäusern das große Tenorfach gesungen, von Tosca« und Parsifal« bis Othello« und Walküre«. Als Königsklasse des Singens« bezeichnet er den Liedgesang, der ihm besonders am Herzen liegt, nicht zuletzt durch seine langjährige Partnerschaft mit dem Pianisten Helmut Deutsch. Durch Familienferien in Achensee in Tirol, wo seine Großeltern einen ehemaligen Bauernhof gemietet hatten, hat Kaufmann ein besonderes Faible für Österreich. Seit 2022 ist er österreichischer Staatsbürger, seit Beginn der Spielzeit 2024/25 ist er Intendant der Tiroler Festspiele in Erl. « « « « « W Adelheid warf ich in die Donau, gleich nach Dürnstein, niemand hat's gesehn. Und auch sie wird mir verzeihn, denn grad bei Dürnstein ist die Donau doch so wunderschön...
4 | WACHAU MAGAZIN 2026 Wahrhaft magisch: Blick auf das malerische Dürnstein, eingerahmt von Weingärten und Donau, und stets im Mittelpunkt – der blaue Kirchturm, als berühmtes Wahrzeichen des Orts. Foto: Markus Haslinger/extremfotos.com Foto: Günter Standl 08 INHALT 72 WEINTERROIR – der Spitzer Graben als Shootingstar in der Weinwelt 76 WEIN-SZENE – aktuelle News und außergewöhnliche Auszeichnungen 80 KULTUR 2026 – Musik, Theater, Ausstellungen: die Events des Jahres 90 SAGENHAFT – die Märchenerzählerin auf der Ruine Aggstein 92 GESCHICHTSTRÄCHTIG – im Schloss Artstetten auf Zeitreise 96 WACHAUER FERIENPLANER – der große Info- und Serviceteil 100 DIE BESTEN ADRESSEN – Restaurants, Hotels, Hotel garnis, Urlaub beim Winzer und Ferienwohnungen, Weingüter, Weinstuben und Heurige im Überblick 109 IMPRESSUM 114 EPILOG – märchenhaft & feinsinnig: Adventromantik im Donautal 06 INSIDER – Lieblingsplätze von Erika und Martin Pritz in Emmersdorf 08 25 JAHRE UNESCO WELTERBE – die Welt der historischen Weinlesehöfe 20 TEISENHOFER HOF – wo leichte Muse auf Renaissance trifft 22 ZEITREISEN – Wachau-Führungen mal ganz anders 24 MAJESTÄTISCH – mit dem Ballon über das Donautal schweben 28 FOTOMOTIVE – Dürnstein aus den schönsten Blickwinkeln 30 HIMMELWÄRTS – 300 Jahre Wallfahrtsgeschichte Maria Taferl 34 GENUSSVOLL – der Röster und die österreichische Mehlspeisenküche 40 KULINARIK-NEWS – von Spitzenköchen, feinen Manufakturen und leidenschaftlichen Marmeladenmacherinnen 52 MACH MIR EIN RIND – der Tafelspitz und andere Spezialitäten 62 DAS FEDERSPIEL – 40 Jahre Erfolgsstory der Vinea Wachau 68 HERZENSSACHE – spezielle Rebsorten als Steckenpferde der Top-Winzer Foto: Johannes Kernmayer Foto: Günter Standl Foto: Monika Löff 24 34 92 62 48 Foto: Sascha Osaka 80 Foto: Günter Standl Wachauer Weltklasse: 2Sterne und 2026 erstmals 5 Hauben für Thomas Dorfer in Mautern.
Rock on Der neue T-Roc *Alle Preise/Boni sind unverbindl. empf., nicht kartell. Richtpreise/Nachlässe inkl. NoVA u. MwSt. und werden vom Listenpreis abgezogen, nur für Privatkunden. Preis bereits abzgl.: € 1.000,- Eintauschbonus bei Eintausch eines Gebrauchten und Kauf eines neuen VW PKW Modells. Die Aktion ist limitiert u. kann pro Käufer nur einmal in Anspruch genommen werden. € 4.000,- Porsche Bank Paketbonus für Verbrennerfahrzeuge der Marke VW bei Finanzierung und Abschluss einer Kasko Versicherung sowie Abschluss eines Service-Produktes über die Porsche Bank Versicherung. Mindestlaufzeit 36 Monate, Mindest-Nettokredit 50% vom Kaufpreis. Angebot gültig bis 30.06.2026 (Kaufvertrags-/Antragsdatum). Kraftstoffverbrauch: 5,5 – 6,4 l/100km. CO2-Emissionen: 126 - 145 g/km. Symbolbild. Stand 12/2025. Ab € 24.990,-* Spitzer Straße 37 3631 Ottenschlag Telefon +43 2872 7292 www.meisner.at
6 | WACHAU MAGAZIN 2026 (4) Gut kombinierbar mit dem Rundwanderweg: »Bauer & Wirt Langthaler« in Pömling. Ein sympathischer Familienbetrieb mit herzhaften Produkten aus eigener Erzeugung. www.gasthaus-langthaler.at Erika und Martin Pritz führen in Emmersdorf das ebenso traditionsreiche wie beliebte Hotel-Restaurant »Zum Schwarzen Bären«, das mit feinem 4-Sterne-Komfort samt Wellness-Bereich und ehrlich-bodenständiger Regionalküche punktet. Hier verraten die beiden ihre persönlichen Ausflugstipps. www.hotelpritz.at (1) Direkt gegenüber von unserem Haus lohnt die Magdalenenkapelle einen Besuch. Sehenswert: Fresko des hl. Florian (1537), Hochaltar aus der Werkstatt von Matthias Schwanthaler (1674) sowie Tragorgel aus dem Frühbarock. (2) Die Kapelle ist auch Ausgangspunkt für eine Tour entlang des Magdalenenweges. Dieser führt in rund 2½ Stunden an Orte und Plätze, wo man wunderbar Energie und Kraft tanken kann, etwa beim historischen Burgkircherl (siehe Bild) oder beim mystischen Labyrinth. (3) Der kleine Rundwanderweg Emmersdorf führt vorbei an alten Bürgerhäusern und der spätgotischen Pfarrkirche in kleine Dörfer, durch naturbelassene Wälder bis zum Weiler Pömling und auf anderer Strecke wieder retour. Dazu gibt’s herrliche Ausblicke auf Stift Melk, Donau und Schloss Schönbühel. 3 Foto: Christian Fasching Foto: extremfotos.com Foto: extremfotos.com 4 Foto: Martina Siebenhandl Fotos (2): Wachauer Hofbrennerei 1 2 (5) Eine bunte Vielfalt an Edelbränden, Zigarrenbränden und Likör präsentiert die Wachauer Hofbrennerei im nahen Rantenberg. Im Mittelpunkt steht die Marille, die es zudem als Nektar oder in Kosmetikprodukten gibt. www.wachauer.at Insidertipps Foto: Johannes Kernmayer
Das liebevoll eingerichtete Lokal direkt an der Donau vom TopWeingut GRABEN-GRITSCH verwöhnt mit herzhaften Gerichten. GENUSSADRESSE IN SPITZ • behagliche Stube im heimeligen Ambiente und mit einladender Bar • Sonnenterrasse mit Blick über Donau und Weingärten • Kaffee & verführerische Mehlspeisen (Tipp zur Ernte: original Wachauer Marillenknödeln) • pfiffig-regionale Gerichte und Schmankerl in Spitzenqualität • exzellente Weine aus dem eigenen Top-Weingut GRABEN-GRITSCH (www.grabengritsch.at) •Tipp für Gruppen: Weinverkostungen, Marillenverkostungen und Weinwanderungen. ÖFFNUNGSZEITEN: März bis Ende Oktober, Donnerstag bis Sonntag 11 bis 22 Uhr (Küche 12 bis 20 Uhr) DAS GEMÜTLICHE RESTAURANT MITFLAIR WOHNEN IM DONAUSCHLÖSSEL Schöne Zimmer sowie eine Suite, reichhaltiges Frühstücksbuffet & ruhige Lage in Spitz und an der Donau! Foto: nimozimmerhackl IM DONAUSCHLÖSSEL 3620 Spitz, Donaulände 3 Tel. +43 (0) 664 / 91 56 901 info@donauschloessel.at www.donauschloessel.at Foto: Eselabenteuer (7) Gute Laune ist beimWachauer Eselabenteuer garantiert. Die Eselbande« begeistert ebenso beim Eselführerschein, wie bei der coolen Show Crazy Donkeys« oder bei Kutschenfahrten und Wanderungen. www.eselabenteuer.com « « Foto: Donau NÖ, Klaus Engelmayer Foto: Oskar Kokoschka Haus (8) In Pöchlarn, im an die Wachau angrenzenden Nibelungengau, findet sich mit demOskar-Kokoschka-Haus ein hochkarätiges Museum zu Ehren des hier 1886 geborenen Malers, einem der bedeutendsten Künstler Österreichs. Unter anderem jährlich wechselnde Sonderausstellung. www.oskarkokoschka.at Foto: Schloss Artstetten, Rita Newman (6) Schloss Artstetten ist eines der malerischsten Ziele der Region. Das Erzherzog-Franz-Ferdinand-Museum (im Bild) zeigt das bewegte Leben des 1914 ermordeten Thronfolgers und seiner Familie. Blumenliebhaber freuen sich auf die Blüte der mehr als 1000 Pfingstrosen von Mai bis Juni. Siehe auch das Artstetten-Portrait ab Seite 92. www.artstetten.at
UNESCO WELTERBE
Mit Stift Melk hat Baumeister Jakob Prandtauer von 1702 bis 1726 eines der prächtigsten Barockensembles Europas geschaffen. In Joching gestaltete er den nach ihm benannten Weinlesehof, heute gleichermaßen exzellentes Weingut und Gutshof-Restaurant von Karl und Barbara Holzapfel. »Außergewöhnlicher universeller Wert für die gesamte Menschheit« – was für eine Auszeichnung für das Donautal zwischen Melk und Krems! Verliehen von den Vereinten Nationen, und in diesem Fall gilt sie nicht nur herausragenden einzelnen Gebäuden oder Naturschauplätzen, sondern – als Kombination aus beidem – der einzigartigen, über Jahrhunderte entstandenen Kulturlandschaft. Die einst klösterlichen Weinlesehöfe spielen dabei eine wichtige Rolle. Foto: Günter Standl WACHAU
10 | WACHAU MAGAZIN 2026 Wo ab 1147 die Benediktiner der niederbayrischen Abtei Niederaltaich ihre Besitzungen verwalteten, hat eines der zauberhaftesten Museen des Landes sein Zuhause gefunden. Der besondere Reiz des in Spitz am Eingang zum Spitzer Graben gelegenen Erlahofes liegt im Mix aus spannenden Ausstellungen rund um die Donauschifffahrt und seinen architektonischen Kostbarkeiten vom Mittelalter bis zum Barock. Ein ganz besonderer Schatz verbirgt sich in der Unterwelt, wo die Vinea Wachau ihr Weinarchiv lagert. Fotos (4): Johannes Kernmayer
WACHAU MAGAZIN 2026 | 11 ten ihren Einfluss. Einen Standort in der Wachau zu haben, war nicht nur aus klösterlich-spiritueller Sicht bedeutsam, die Weingärten waren auch wirtschaftlich wichtig. »Wir konnten bei unserer Untersuchung 138 Lesehöfe verifizieren – baulich, schriftlich oder durch beides«, erklärt Dr. Elisabeth Gruber. Eine beeindruckende Zahl, die sich nicht auf einmal ergab, sondern entwickelte und immer wieder veränderte. Etliche dieser Höfe verschwanden, aber überraschend viele der geschichtsträchtigen Gebäude gibt es noch heute. Auch wenn diese architektonischen Zeugen einer Zeit, in der die Wachau fest im kirchlichen Griff war, mittlerweile eine ganz andere Bestimmung haben – wie zum Beispiel der Erlahof in Spitz, der das bekannte Schifffahrtsmuseum und das Weinarchiv der Vinea Wachau beherbergt. Unter klösterlicher Kontrolle Die Klöster agierten damals nicht nur als Weinbauern, sondern außerdem oft als Verwalter des sogenannten Zehents – der kirchlichen Abgabe, die neben Wein noch Getreide oder Vieh umfassen konnte. Denn die geistlichen Herren hatten zu dieser Zeit neben ökonomischen Interessen auch pfarrliche Rechte – wie St. Florian in der Weißenkirchner Gegend oder Salzburg rund um Rossatz. Manche Lesehöfe dienten daher als Erntesammelstellen und zugleich Verwaltungszentren für ihre Einnahmen. Ein Schlüsselfaktor für die Bedeutung der Wachau im mittelalterlichen Weinbau liegt in ihrer Geografie. Die Donau nimmt hier ie Rieslinge und Veltliner der Wachau begeistern nicht nur Weinkenner aus aller Welt, ihre beidseits der Donau terrassenförmig anwachsenden Weingärten prägen mit den charakteristischen Trockensteinmauern die Kulturlandschaft auf einzigartige Weise. Von zahllosen Generationen in Handarbeit geschaffen, bilden sie ein Bindeglied zur früheren Geschichte. Gemeinsam mit einer weiteren Besonderheit, den sogenannten Lesehöfen, sind sie ein integraler Bestandteil dessen, was die Region als Welterbe ausmacht. Diese gut erhaltenen historischen Gebäude von Dürnstein bis Spitz auf der einen und von Mautern bis Aggstein auf der anderen Seite spielten als klösterliche Wirtschaftshöfe über Jahrhunderte hinweg eine zentrale Rolle in der Verarbeitung und Verwaltung des regionalen Weinertrags. Die Historikerin Dr. Elisabeth Gruber und ein interdisziplinäres Forschungsteam der Universität Salzburg haben sich diesem Thema eineinhalb Jahre lang intensiv gewidmet und Bemerkenswertes herausgefunden. Frühmittelalterliche Wurzeln Die Ursprünge der Lesehöfe reichen weit zurück. Bereits im 9. Jh. lässt sich durch Urkunden der Besitz von Weingärten durch Klöster nachweisen. In diesen Höfen, deren Aussehen und genaue Lage sich nicht exakt bestimmen lässt, wurden Erträge und Rechte verwaltet. Präzisere Überlieferungen gibt es spätestens ab dem 13. Jh. Immer mehr auswärtige Klöster – darunter bayrische, salzburger und oberösterreichische – erweiterZu sehen im Schifffahrtsmuseum: Die originelle Galionsfigur der »Fregatte Theresia«, einem Kriegsschiff von Maria Theresia! Im Wappen oben Ungarn und Böhmen, unten Burgund und Tirol und in der Mitte Österreich. Das Logo des UNESCOWelterbes symbolisiert die enge Verbindung zwischen Kulturgütern (das zentrale Quadrat) und Naturschätzen (der äußere Kreis). Es ist rund wie die Erde und steht gleichzeitig für den Schutz des gemeinsamen Erbes der Menschheit. D Weltweit in dieser Konzentration einzigartig: Zahlreiche Klöster haben im Laufe der Jahrhunderte die Wachauer Weinlandschaft geformt, ihre historischen Weinlesehöfe prägen sie bis heute. Neuer Glanz in alten Mauern Text: Wolfgang M. Gran
12 | WACHAU MAGAZIN 2026 Als Vertreter des aufgeklärten Absolutismus schränkte Kaiser Josef II. gegen Ende des 18. Jhs. den Einfluss der Kirche drastisch ein. Viele ihrer Besitzungen wurde verstaatlicht, zahlreiche Klöster aufgelöst. Dieser ersten Säkularisierung folgte 1803 auf Druck Napoleons der Reichsdeputationshauptschluss in Bayern, der weitere gravierende territoriale Umstrukturierungen bewirkte. Endgültig aufgelöst wurde die kirchliche Grundherrschaft in der Wachau 1848 durch die Grundentlastung in Österreich. Sie hatte das Ziel, die feudalen Strukturen in den deutschen Ländern aufzulösen, um die Bauern von Leibeigenschaft und Abhängigkeit gegenüber den Grundherren zu befreien. Jene auf klösterlichem Land wurden dadurch genauso frei wie jene in adeligen oder staatlichen Besitzungen, und da keine Abgaben oder Frondienste mehr eingefordert werden durften, verloren die Klöster eine wichtige Einnahmequelle. Viele Lesehöfe wurden in der Folge von den Gemeinden übernommen: »Teilweise haben sie aber auch die damaligen Hofverwalter erworben«, erklärt Historikerin Gruber. Zwar verfügen manche Klöster – wie Göttweig oder Kremsmünster – nach wie vor über Weingärten, aber der Großteil ist wieder in privaten Händen. Die Wachau hat als Weinregion davon profitiert, dass sich mittlerweile engagierte Winzer im Wettstreit um die besten Tröpfchen in immer neue Qualitätssphären pushen. Das war nicht immer so, denn viele der ehemaligen klösterlichen Verwalter machten einst aus der natürlichen Ressource dieser außergewöhnlichen Hänge und Böden nur – um es einigermaßen freundlich zu formulieren – sehr gewöhnlichen Wein. Oder, um ein altes Zitat zu strapazieren: »So sauer wie ein Wachauer!« Architektonische Schmuckstücke Die Weinqualität von früher hat sich also zum Glück nicht erhalten, aber einige der vormaligen Lesehöfe sehr wohl. Im Ensemble der architektonischen Schmuckstücke der Wachau spielen sie – wenn auch in teilweise gänzlich anderen Funktionen als einst – tragende Rollen. Es folgt ein kleiner Streifzug durch diese geschichtsträchtigen Häuser, in denen auf vielfältige Weise neuer Glanz die alten Mauern beseelt. eine besonders günstige Wendung, wodurch beide Hanglagen weinbaulich nutzbar sind – ein Vorteil, der in anderen Regionen entlang des mächtigen Stroms so nicht gegeben ist. Das begründet, warum auch weiter entfernte Orden in der Wachau ihre Begehrlichkeiten auslebten. In der Frühphase waren es primär altbayrische Klöster, die sich Besitz sicherten – oft durch Schenkungen, Stiftungen oder entsprechende testamentarische Verfügungen adeliger Familien. Mit göttlichem Beistand In Krems und Stein, wo heute noch etliche ehemalige Lesehöfe zu sehen sind, spielten die Klöster sogar als städtische Akteure eine Rolle. Um ihre landwirtschaftlichen Produkte besser vermarkten zu können, erwarben sie zahlreiche Stadthäuser, die nicht selten steuerlich privilegiert waren. Aber die bemerkenswertesten früheren Lesehöfe stehen entlang der Weinterrassen im Kern der Wachau: »Das Interessante an all diesen Höfen ist, dass so ein historischer Touch aus dem 16., 17., 18. Jh. übriggeblieben ist und bei Modernisierungen selten wirklich über dieses kostbare Erbe drübergefahren wurde«, sagt Elisabeth Gruber. So präsentieren sich heute architekturhistorische Kostbarkeiten, denn die einzelnen Klöster legten durchaus Wert darauf, der Welt und vor allem den kirchlichen Mitbewerbern zu zeigen, wie wirtschaftlich erfolgreich sie sind. Schließlich war dies ja auch ein Zeichen der wohlwollend schützenden Hand Gottes. Eines der berühmtesten Beispiele: der Prandtauerhof in Joching, für den sich das St. Pöltner Chorherrenstift mit Jakob Prandtauer den Star-Architekt seiner Zeit angelacht hat. Das Ende feudaler Strukturen Bleibt die Frage, wie es dazu kam, dass die Weingärten in der Wachau der kirchlichen Dominanz wieder entkamen und, wenn man so will, »verweltlicht« wurden. Freiwillig passierte das nicht, sondern hauptsächlich durch historische Ereignisse. Fotos: Johannes Kernmayer (4), Frank Heuer (1) RECHTE SEITE, 3 & 4: Unter den monumentalen Dächern des Nikolaihofs in Mautern wurde immer wieder Geschichte geschrieben. Schon die alten Römer haben hier ihre Spuren hinterlassen, als die Donau noch die Grenze zu den Barbaren war. Jahrhunderte später ist in der einstigen Hofkapelle (gelbe Fassade) der Bau von Stift Göttweig beschlossen worden. Auch schon 350 Jahre alt ist die riesige Baumpresse. Einmal jährlich geht sie in Betrieb, dabei sein ist gegen Voranmeldung möglich. Wer kann schon eine 1.000-jährige Beziehung feiern? Zu diesem sehr runden Jubiläum wurde der in seiner heutigen Form 1176 erbaute Tegernseerhof in Unterloiben (Bilder rechts 1 & 2) symbolisch zur diplomatischen Vertretung der bayrischen Stadt Tegernsee ernannt. Nach wechselvollen Jahrhunderten wird er von Martin Mittelbach in sechster Generation als Familienweingut geführt. Und dies in so hoher Qualität, dass man 2025 sogar den offiziellen Festivalwein der Salzburger Festspiele stellte.
1 2 3 4
1 4 5 2 3 4
WACHAU MAGAZIN 2026 | 15 nen Namen gibt. Nur die herausragenden Weine, die Martin Mittelbach nun in bereits fünfter Generation den Böden entlockt, haben mit denen aus der Zeit der Tegernseer nichts mehr zu tun. Da sind qualitative Quantensprünge passiert, und 2025 stellte man sogar den offiziellen Festivalwein der Salzburger Festspiele. Einmal Wein, immer Wein, heißt es auch bei Franz-Josef Gritsch, der in Spitz auf historischem Boden arbeitet. Sein Weingut FJ Gritsch Mauritiushof wurde im 13. Jh. als Lesehof der Mönche aus Niederaltaich in Bayern erbaut, befindet sich aber bereits seit 1799 im Familienbesitz. In 7. Generation und in oft mühevoller Handarbeit gibt sich »FJ« hier seiner Leidenschaft hin:Aber wenn man an einem Herbsttag oben im Weingarten steht und die Abendsonne die Donau glitzern und die Weinblätter leuchten lässt, weiß man: Die Mühe lohnt sich. Das Alte erhalten, aber trotzdem den Zug der Zeit nicht verpassen, ist hier am Kirchplatz von Spitz die Devise. Deshalb hat FJ Gritsch das Gut durch Zubauten in eine »Weinerlebniswelt« verwandelt, wo man in historischem Umfeld sehr lässig-luxuriös wohnen kann. Höchste Gaumenfreuden Ganz im Zeichen erstklassiger Kulinarik stehen zwei weitere ehemalige Lesehöfe stromabwärts. Das Restaurant Loibnerhof in Unterloiben gehörte einst dem Stift Ranshofen und ist mit seiner verfeinert bürgerlichen Küche längst eine kulinarische Institution. Wobei die kochenden Gastgeber Sepp und Josef Knoll ihre Gäste je nach Jahreszeit originellerweise an unterschiedlichen Orten empfangen: In den warmen Monaten im zauberhaften Gartenlokal unter Apfelbäumen, im Winter – auf der anderen Straßenseite – in den heimeligen Stuben des einstigen Lesehof-Ensembles. Und wenn schon von kulinarischen Institutionen die Rede ist, führt an der Hofmeisterei Hirtzberger in Weißenkirchen kein Weg vorbei. Sie diente ab dem Ende des 13. Jh. dem Stift St. Florian als Lesehof und hieß folgerichtig einst Florianihof. Heute steht sie im Besitz der Winzerfamilie Hirtzberger und wird mit wahrer Genusseuphorie von einem gastronomischen Dreamteam 72 dieser früheren klösterlichen Wirtschaftsgebäude sind in ihrem Baubestand noch erhalten, und die schönsten von ihnen laden zum genussvollen Streifzug. Manche haben sich zu führenden Weingütern entwickelt, andere zu kulinarischen Leuchttürmen der Wachau, und in einigen lässt sich beim Übernachten in historischem Ambiente der Hauch der Jahrhunderte atmen. Dem Wein treu geblieben Wenn ein Riesling der Riede Achleiten oder, als ungewöhnliche Spezialität, ein Rosenmuskateller im Glas funkelt, dann ist man im Kartäuserhof in Weißenkirchen, wo Jakob Stierschneider eine lange Winzertradition weiterträgt. Seit 1862 ist der Hof im Besitz der Familie, aber die Geschichte reicht viel weiter zurück. Im Jahr 1380 wurde er als Lesehof der Kartause Aggsbach erbaut, was auch die Namensgebung erklärt. Beim Weinmachen wird nachhaltig in Generationen gedacht: Gemeinsam mit seinem Vater Karl lässt Jakob das Terroir wirken und sorgt mit behutsamen Impulsen für Weine mit sehr persönlichem Charakter – stilvoll wie das gesamte Haus. Ein Stück weiter, im Dürnsteiner Ortsteil Loiben, bewirtschaftet Martin Mittelbach vom Weingut Tegernseerhof seine Weinberge. Das Gut steht auf den »zwei Huben Land«, die der römisch-deutsche Kaiser Heinrich II. vor gut 900 Jahren dem Benediktinerkloster Tegernsee geschenkt hatte – was man heute als »networking« bezeichnen würde, um sich die Gunst der Geistlichkeit zu sichern. Die bayrischen Mönche aus Tegernsee errichteten auf diesem geschenkten Stück Land jedenfalls 1176 ihren Lesehof, der dem Weingut noch heute seiFotos: Günter Standl (1), Herbert Lehmann (2), Mauritiushof (2) LINKE SEITE: In der Hofmeisterei Hirtzberger, dem einstigen Lesehof des Stiftes St. Florian, wird nun groß aufgekocht. Die Terrasse des 3-Hauben-Gourmetrestaurants (1) in Wösendorf zählt zu den stimmungsvollsten Plätzen der Wachau. Zu Weinverkostungen lädt Familie Stierschneider in die stilvollen Gewölbe des Kartäuserhofes in Weißenkirchen (2 & 3), in dem seit beinahe 650 Jahren Wein gekeltert wird. Im Herzen des biedermeierlichen Ortes Spitz hat Franz-Josef Gritsch den historischen Mauritiushof (4 & 5) in eine Weinerlebniswelt verwandelt, wo man in behaglichen Appartements auch hübsch wohnen kann. Umsonst war er nicht, der himmlische Segen, den die Kirchenfürsten des Mittelalters ihren Schäfchen in der Wachau verhießen. Jene Klöster, die auch Pfarrrechte in diesem wunderschönen Donautal hatten, ließen sich ihren geistlichen Beistand durchaus weltlich mit Weintrauben, Getreide und Vieh abgelten. Aus heutiger Sicht haben die Klöster die Wachau aber doch reich beschenkt – mit ihren ehemaligen Lesehöfen, die als architektonische Preziosen das Welterbe zieren.
16 | WACHAU MAGAZIN 2026 es sich bei Wieser ebenso: Der fast 1000 Jahre alte, ehemalige Renaissancehof Wösendorf des Benediktinerstiftes Melk ist mit seinen Appartements und Zimmer in historischem Ambiente eine außergewöhnliche Beherbergungsoption für Urlaubsgäste. Der Charme des historischen Anwesens in Kombination mit luxuriösem Lifestyle ist eine Klasse für sich. Wenn es um außergewöhnliche Wohnerlebnisse geht, müssen wir noch einmal nach Spitz zurück. Dort steht als eines der ältesten Bauwerke der Gemeinde der Barock-Landhof Burkhardt, ein kleines Landschlösschen mit großer Geschichte. Im 12. Jh. als Weinlesehof eines bayrischen Klosters erbaut, diente er später als Gutshof, Essigsiederei, Lagerstätte für Salz, Wein und Obst – und sogar zur Verteidigung, wie Schießscharten im Inneren verraten. Seit acht Generationen im Familienbesitz, ist der barocke Gutshof heute ein reiner Beherbergungsbetrieb mit fünf Ferienwohnungen und sechs exklusiven Doppelzimmern sowie einem großen, parkähnlichen Garten. Der Hof der alten Römer Als sich die universitären Forscherinnen und Forscher des Instituts für Realienkunde auf die Spurensuche der Wachauer Lesehöfe machten, galt einem von ihnen ein ganz spezielles Interesse: dem Nikolaihof in Mautern. Denn der ist als Ganzes ein Paradies für kulturhistorischen Forscherdrang. Er war ab dem 11. Jh. Weinlesehof und Verwaltungszentrum des Chorherrenstifts St. Nikola in Passau, hat darüber hinaus als langjährige Pächter geführt: Küchenchef Erwin Windhaber und Sommelier Hartmuth Rameder, die sich als eine der allerbesten kulinarischen Adressen in ganz Niederösterreich etablierten. Sagenhaft sortiert ist der Weinkeller, und für verschiedenste Events öffnen sich auch die weiteren Räumlichkeiten dieses außergewöhnlich interessanten Kulturjuwels. Wachauer Gesamtkunstwerk Einer der schönsten historischen Lesehöfe in der Wachau ist der Prandtauerhof im Winzerdorf Joching. Vor 700 Jahren von den Augustiner Chorherren erbaut, wurde er 1696 vom berühmten St. Pöltner Barockbaumeister Jakob Prandtauer, dessen Opus magnum das Stift Melk war, als vierflügeliger Hof neugestaltet. Im Jahr 1968 kaufte die Familie Holzapfel das vom Verfall bedrohte Gebäude und begann mit der sorgsamen und liebevollen Revitalisierung. Die nächste Generation, Karl und Barbara Holzapfel, hat in den letzten Jahrzehnten weitere Akzente gesetzt. Sowohl im Weingut und der in mittelalterlichen Gewölben situierten Edel-Brennerei wie auch gastronomisch. Das Gutsrestaurant im blumenverwachsenen, mediterran anmutenden Arkadenhof hat sich auf feinste regionale Gerichte spezialisiert, der Hofladen präsentiert neben köstlichen Gourmandisen die eigenen Spitzenweine und Brände, und behaglich wohnen lässt sich hier ebenfalls – in einem der durchaus mit einer Prise »stylish« gestalteten drei Gutshofzimmer oder in der Suite im Arkadentrakt. Wohnen mit historischer Note Apropos Gourmandisen: Unweit vom Prandtauerhof, mitten im Ortsteil Wösendorf, entsteht in der Wieser Manufaktur im historischen Melkerhof ein vielfältiges Potpourri an Köstlichkeiten: von kreativ komponierten Marmeladen über Chutneys, Säfte oder die kreativen Naschereien, wie die unwiderstehlichen Marillen-Herzerl, bis zu hauseigenen Bränden, WIESky und Gin. Wieser-Shops gibt’s mittlerweile an mehreren Orten in der Wachau, wo man diese ganz besonderen Mitbringsel für zu Hause kaufen kann. Und wunderbar wohnen lässt RECHTE SEITE: Höchst ungewöhnlich, aber umso charmanter: Im Winter speisen die Restaurantgäste des Loibnerhofes in Unterloiben in den gemütlichen Stuben des Stammhauses mit klösterlichen Wurzeln, im Sommer im Gartenlokal (1 & 2) in Veranden und unter Apfelbäumen. Gegenüber ihrem Melkerhof in Wösendorf offeriert Familie Wieser feinfühlig restaurierte Appartements und Suiten (3 & 4) im mehr als 500-jährigem, denkmalgeschütztem Ambiente. In schönstem Barock präsentiert sich der Landhof Burkhardt in Spitz (5 & 6), gewohnt wird zeitgemäß mit einer Prise Luxus. Fotos: Johannes Kernmayer (2), Günter Standl (2), Herbert Lehmann (2) Foto: Günter Standl Einfach malerisch: das Gutshofrestaurant im mediterran anmutenden Arkadenhof von Familie Holzapfels Prandtauerhof. Die hauseigenen Spitzenweine gibt’s neben Bränden und allerlei Selbstgemachtem im Ab-Hof-Laden.
1 2 3 4 5 6
18 | WACHAU MAGAZIN 2026 Flößer und Picknick-Zille Gegen Ende der Reise zu den ehemaligen Lesehöfen der Wachau führt der Weg noch einmal zurück nach Spitz. Denn dort steht ein Barockschloss, dessen heutige Verwendung so gar nichts mehr mit der ursprünglichen Verwendung als Lesehof derer aus Niederaltaich zu tun hat. Gar nichts mehr? Das stimmt nicht ganz, denn so manches, das in diesen Lese- und Verwaltungszentren an Waren eintrudelte, wurde danach über die Donau verschifft. Und somit ist es gar nicht mehr so abwegig, dass der Erlahof seit 1970 ein Schifffahrtsmuseum ist. Eines, das sich mit der Historie der Holz- und Floßschifffahrt auf der Donau befasst, regelmäßig Sonderausstellungen zum Thema anbietet und Exponate hat, die durchaus zum Staunen anregen – wie ein Pferdeschiffszug oder eine tragbare Schifferorgel aus dem Jahr 1697, auf der heute noch gespielt wird. Angeschlossen ist zudem ein Freilichtmuseum mit einer »Picknick-Zille«, in der man nicht nur jausnen, sondern sich am sicheren Ufer ein wenig in die Donauwellen »tagträumen« kann. aber noch viel mehr zu bieten – und zwar in Vergangenheit und Gegenwart. Der Nikolaihof integriert Reste des römischen Kastells Favianis, zum Beispiel einen hufeisenförmigen Turm der im 4. Jh. vergrößerten Lagermauer. Die Originalmauern aus dieser Zeit sind teilweise bis heute erhalten und können im 800 Jahre alten Presshaus des Nikolaihofs besichtigt werden, in dem die Baumpresse mit ihrem Pressbaum aus dem Jahr 1769 einmal im Jahr in Betrieb genommen wird. Erstklassige Kulinarik und Spitzenweine, die bereits seit 1971 nach strengen biodynamischen Demeter-Richtlinien produziert werden, machen den seit über 100 Jahren im Besitz der Winzerfamilie Saahs befindlichen Nikolaihof zu einer der ganz großen Adressen. Als erstem Weingut gelang das Kunststück, bei Parker, dem wohl renommiertesten internationalen Weinführer, 100 Punkte für einen österreichischen Wein zu erobern. Ein ungemein lauschiges Plätzchen ist der Innenhof, wo Gäste unter der mehr als 100-jährigen Linde des Gutsrestaurants regionale Schmankerl genießen – in Bioqualität, versteht sich. Magische Plätze im Nikolaihof in Mautern: Die mehr als 100-jährige Kaiserlinde überdacht den Innenhof der biozertifizierten Weinstube mit ihrer regionalen Gutshofküche. Nicht minder sehenswert: der lässige »Salon 77« im stylishen Kontrast zu den historischen Steinmauern. Fotos: Johannes Kernmayer (1), Günter Standl (1)
WACHAU Alles Bühne!DIE WELTERBEREGION ALS FANTASTISCHE KUNSTKULISSE. ECHTE WIRTSHAUSKÜCHE & VEGETARISCHE KÖSTLICHKEITEN. FEINSTE WEINE. AUSGABE 28 2024 AUSGABE 28 Y 1R E REISEN IN EINE DER SCHÖNSTEN REGIONEN EUROPAS AUSGABE 29 2025 MIT 76 SEITIGEM GUIDE ZU DEN BESTEN ADRESSEN WACHAU GENUSSVOLL Echte Küchenklassiker MÄRCHENHAFTDie schönsten Kultur-Events Entdeckungen am Südufer 1R E GENUSSVOLL Wo das Donautal zum Schlemmerland wird FEDERSPIEL Wo eine Weinkategorie Weltkarriere macht KULTURERBE Wo innovative Lässigkeit historische Lesehöfe prägt AUSGABE 30 / 2026 EXTRA! 76-seitiger Guide zu erstklassigen Adressen Eine Auswahl der besten Adressen 2026 IHR ONLINE t , hͳ'h/ &mZ^ , E z UNSERE PRINTMAGAZINE ab 2018 online zum Nachlesen & Downloaden: www.wachaumagazin.at UNSER DIGITALER BLOG mit praktischen Infos und Event-Timer für die perfekte Ferienplanung vor Ort. www.wachau7.com Erlesenes Handwerk &* "0 %ėȪ volkskultur – Handwerk der Regionen Ludwig-von- Köchel-Platz 1 3500 Krems-Stein www.volkskulturnoe.at WACHAU MAGAZIN 2026 | 19
20 | WACHAU MAGAZIN 2026 Die über Weißenkirchen thronende Wehrkirche Maria Himmelfahrt wurde bereits 1180 urkundlich erwähnt; der gotische Kirchenbau samt Wehrmauern stammt vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. Von der Kirche ist’s traditionell nicht weit zum Kirchenwirt (siehe auch rechte Seite), und in Weißenkirchen schmiegt er sich direkt an den felsigen Kirchberg. Die nostalgischen Gewölbestuben sind ein würdiger Abschluss einer Kirchenbesichtigung. Genussvoll sowieso angesichts der bürgerlichen Wirtshaus-Haubenküche. Wer Süßes liebt: Unbedingt die Malakoffnockerl mit Eierlikör oder den Mohnauflauf mit Zwetschkenröster (siehe Bild) probieren. 500 Jahre Wirtshaustradition Foto: Arsen Miletic Foto: Günter Standl Als wahrer Kraftplatz mit jahrhundertelanger Geschichte erweist sich das romantische Ensemble aus Wehrkirche und Teisenhoferhof im Herzen des Winzerdorfes. Ein kulturhistorisches Juwel mit sehr lebendiger Gegenwart. Text: Wolfgang Neuhuber WEISSENKIRCHEN Leichte Muse trifft Renaissance Leben, und so ist in alten Chroniken von Tanzsaal, Badestube und kostbarem Mobiliar bis hin zu Himmelbetten die Rede. Heute ist der Teisenhoferhof Sitz des Wachaumuseums mit zusätzlichen Sonderausstellungen, speziell zu den Wachaumalern sowie der Wein- und Malakademie. Ebenfalls sehenswert: die historische Weinpresse aus dem Jahre 1766. Ein bisschen Kondition kann in der Folge nicht schaden, um über die uralte, gedeckte Stiege hinauf zur Wehrkirche zu spazieren. Sie wird wie eine Festung von einer spätmittelalterlichen Mauer samt drei Ecktürmen umschlossen und birgt so manche Kostbarkeit, wie ein gotisches Taufbecken. Und sie ist für zwei Klangerlebnisse berühmt: Musik mit der Orgel aus dem Jahre 1775 und das Glockengeläut der Elferin, die (gegen Voranmeldung) auch mit Turmführung besichtigt werden kann. enn beim Schlendern durch die abendlichen Gassen Weißenkirchens plötzlich lautes Gelächter in der Luft liegt, zerkugelt sich vermutlich gerade wieder mal das Publikum der Wachau-Festspiele. Denn der von außen trutzige, fast schon wehrhaft abweisend wirkende Teisenhoferhof wird alljährlich im Sommer zur theatralischen Kulisse – mal ernst und nachdenklich beim Jedermann in seiner Originalversion, meist aber ebenso schwungvoll wie heiter bei Komödien und Singspielen. Bürgerlicher Wohlstand Der stattliche Wirtschaftshof mit seinen prächtigen Renaissance-Arkaden symbolisiert eindrucksvoll den wirtschaftlichen Aufschwung des Bürgertums. Weinhandel und Ehrenämter sicherten Besitzern, wie dem namensgebenden Heinrich Teisenhofer (1439 bis 1468), ein luxuriöses W
WACHAU MAGAZIN 2026 | 21 Foto: Sascha Osaka Fotos (2): Günter Standl Foto: Herbert Lehmann Was für eine Atmosphäre: Bei den sommerlichen Wachau-Festspielen präsentiert sich der Teisenhoferhof besonders stimmungsvoll. Irgendwie wird er dabei selbst zur Erlebnisbühne. Unter der Intendanz von Marcus Strahl stehen meist Komödien am Programm, unbeschwerte Heiterkeit ist garantiert. Komfortable Zeitreise GESCHICHTE ATMEN IM ARKADENHOF Seit rund einem halben Jahrtausend zieren Wandmalereien das »Haus mit dem Gwölb«, hinter dessen dicken Mauern man nun kuschelig wohnen kann. In unmittelbarer Nachbarschaft des Teisenhoferhofes zu Füßen der Wehrkirche haben sich zum Kirchenwirt vier historische Dependancen gesellt. Jede aufwendig restauriert mit Originalgewölben, Holzdecken, Arkaden und Weinkellern und zugleich mit allen Annehmlichkeiten, die man von einem zeitgemäßen Boutiquehotel erwarten kann. Alle Zimmer und exklusiven Suiten im Landhausstil sind natürlich Unikate entsprechend der rund 500-jährigen Architektur. Jedes Gebäude hat seinen eigenen Stil und Charme. Im Malerhaus kann man auf den Spuren des berühmten Wachaumalers Johann Nepomuk Geller wandeln, im Winzer-Wellnesshaus aus dem 16. Jh. entspannen. www.kirchenwirt-wachau.at INTERview Wäre es nicht viel einfacher, ein neues Hotel auf die grüne Wiese zu bauen? Keine Frage, der Aufwand ist immens. Aber es ist ein unbeschreibliches Glücksgefühl, einem historischen Bauwerk wieder neues Leben eingehaucht zu haben. Worin liegen beim Restaurieren die speziellen Herausforderungen? Wir möchten für unsere Hotelgäste modernen Komfort schaffen, dabei aber die alte Bausubstanz bewahren. Und das nachhaltig. Jeder Raum, jede Mauer muss daher ganz speziell behandelt werden und mit dem Denkmalschutz im Einklang stehen. Dazu braucht es beste Materialien und allerbeste Handwerker, die damit umgehen können. Was blieb als schwierigster Moment in Erinnerung? Um im Wellnesshaus den Relaxbereich zu realisieren, mussten viele Tonnen Fels mühsam entfernt werden. Und das mitten in Weißenkirchen und großteils per Hand. Wie sagen nun die Gäste zu ihren historischen Dependancen? Großartig! Die kommen oft regelrecht ins Schwärmen über diese Wachau-Atmosphäre in den kuscheligen Zimmern mit den dicken Mauern. Es ist wie eine kleine Zeitreise, ohne aber auf die Wohnqualität von heute verzichten zu müssen. Das Frühstück bei uns im Kirchenwirt ist nur ein paar Schritte entfernt, und abends trinkt man ein Glas Wein unter malerischen Arkaden. Gerade für hektische Städter fast schon unwirklich. Manuela und Christian Wildeis über Freud und Leid beim Revitalisieren historischer Häuser.
22 | WACHAU MAGAZIN 2026 Geboren in Stein bei Krems hat Christine Emberger ihre Leidenschaft für Reisen, Kultur, Natur, Tradition und Geschichte zum Traumberuf gemacht. Sehr persönliche Führungen sind ihr Markenzeichen. Die Teilnahme an allgemein ausgeschriebenen Touren ist ab € 15,– p. P. (Anmeldung!) möglich, individuelle Wunschführungen (rund 1,5 h bis 2 h) sind pauschal für alle Teilnehmer ab rund € 200,– möglich. Als Geheimtipp gelten die Fotokurse gemeinsam mit Lebenspartner Rainer Skrovny. T. +43 (0)676 / 357 19 74, www.christine-emberger.at Mal als Barockmaler Kremser Schmidt, mal als Kuenringer Hademar II. oder Jakob der Fischer – die Kremserin Christine Emberger schlüpft gerne in historische Rollen und lädt Gäste zu ebenso spannenden wie launigen Zeitreisen. Auf romantischer Erlebnistour mit der Nachtwächterin Sicht faszinierender Persönlichkeiten präsentiert werden. Stilgerecht im Kostüm mit entsprechenden Accessoires. So geht es mit dem berühmten Maler »Kremser Schmidt« durch das barocke Stein, mit Margarete von Babenberg ins mittelalterliche Krems oder mit Hademar II. mitten hinein in den Politkrimi um die Entführung des englischen Königs Richard Löwenherz. Faszinierend ist der Einblick in das raue Leben der Schiffsleut’ und zwielichtigen Gestalten der Hafenstadt Stein an der Donau um 1840, und mit Leutold I. von Kuenring wird in der Ruine Hinterhaus ins Ritterleben des Mittelalters eingetaucht. Darüber hinaus gibt’s klassische Touren nach festem Programm oder individuellen Vorstellungen sowie geführte Wanderungen und Radausflüge und verschiedenste begleitete Ausflüge, die, je nach Wunsch, mit Heurigeneinkehr auch gemütlich ausklingen können. obald sich das Dunkel der Nacht geheimnisvoll über die Altstadtgassen legt, schlägt die Stunde des Nachtwächters. In diesem Fall korrekterweise der Nachtwächterin. Eine Paraderolle für Christine Emberger, die – thematisch gekleidet – mit Charme und Witz vergangene Zeiten lebendig macht. Mit spannenden Geschichten und lustigen Anekdoten über das Leben der Menschen, die alten Handwerksberufe, die verborgenen Plätze der »Hübschlerinnen« und gleichzeitig als informative Stadtführung entlang der kunsthistorischen Kostbarkeiten, die abends besonderes Flair ausstrahlen. Historische Zeitzeugen Während Nachtwächtertouren zum beliebten Repertoire vieler Guides zählen, hat Christine Emberger mit ihren »Erlebnisführungen« ein eigenes Konzept entwickelt. So ganz anders als üblich und immer hochinteressant, weil die besuchten Orte aus Text: Wolfgang Neuhuber; Fotos: Rainer Skrovny
Wachauer Marmor ist älter als die Menschheit: Er ist kristalliner Kalk, unverwüstlich und durch seine hell- bis dunkelblaugraue und gestreift-gewolkte Färbung überaus attraktiv. Er gilt als einer der hochwertigsten Marmore der Welt, ist absolut frost- und tausalzbeständig und daher auch im Außenbereich problemlos einsetzbar. Gewonnen wird er in zwei Steinbrüchen vom Steinmetzbetrieb Wachauer Marmor GmbH in Kottes. Viele Gründe, die für Wachauer Marmor sprechen: Er ist ökologisch, authentisch, pflegeleicht und dekorativ – zudem gibt es keine langen Transportwege und er ist daher überaus umweltfreundlich. Gestockt und scharriert sind die Steine äußerst strapazierfähig und rutschsicher. Gebürstet oder feinmatt geschliffen erhält er ein samtiges Aussehen, auf Hochglanz poliert kühle Eleganz. Innen & außen vielseitig verwendbar: Bodenbeläge, Wandverkleidungen, Treppen, Abdeckungen, Fensterbänke, Duschtassen, Waschtische, Küchenarbeitsplatten, Pool-Abdeckungen, Brunnen, Skulpturen, Quellsteine, Findlinge, Blumentröge, Gartenplatten, Mauersteine, Grabsteine, Einfassungen, Denkmäler sowie Geschenkartikel, wie Weinkühler, Vasen, Mörser, Halsketten und vieles mehr. Perfekt: Durch Eigenproduktion kann auf jeden individuellen Wunsch eingegangen werden. Die erfolgsorientierte Firmenphilosophie: Mit exklusiven Produkten und bester Qualität stets für hochzufriedene Kunden sorgen. Die beiden Geschäftsführer Ing. Patricia Holzmann-Wunsch und Kurt Holzmann. Blockstufen und Bodenplatten gestockt. Grabsteine in verschiedenen Bearbeitungen. Wachauer Marmor DESIGN IN HÖCHSTER PERFEKTION WACHAUER MARMOR GMBH Familien Wunsch und Holzmann 3623 Kottes · Voitsau 2 T 0 28 73/72 17 oder T 0 28 22/52 478 info@wachauermarmor.at www.wachauermarmor.at Jedes Stückein Unikat! HEIMISCHES MATERIAL Authentisch, zeitlos, faszinierend – die perfekte Wahl für gesundes, natürliches Wohnen in behaglicher Atmosphäre! Sandgestrahlter Findling für die Gartengestaltung. Geschenkartikel aus Wachauer Marmor.
24 | WACHAU MAGAZIN 2026
WACHAU MAGAZIN 2026 | 25 DIE WELT VON OBEN Wer der Wachau mit dem Ballon abhebt, erlebt schwebend eine abwechslungsreiche Landschaft – von den wellenförmigen Wäldern bis hin zur Donau, die sich zwischen Weingärten und Schlössern durchs Land schlängelt. Vollkommen frei. Getragen vom Wind. Schwebend durch die Wachau. Beim Ballonfahren die Welt in Zeitlupe erleben, die Sonne beim Aufwecken der Natur beobachten und nach alter Tradition am Boden »geadelt« werden. Ein Ausflug mit den Kremser Ballonpiloten in luftige Höhen. Text: Anita Arneitz; Fotos: Johannes Kernmayer GLÜCKAB, gutLand!
26 | WACHAU MAGAZIN 2026 in Zischen. Langsam steigt der Ballon auf. Die Schiffe auf der Donau liegen wie kleine Dominosteinchen im Wasser. Das Dach der Stiftskirche Melk glitzert in der Morgensonne und die Weingärten sind mit einer friedvollen Stimmung umhüllt. Dazwischen die sanften Hügel, saftigen Wiesen und geschichtsträchtigen Schlösser. »Ich genieße jede Fahrt«, sagt Ballonpilot Christoph Fraisl. »Zusammen mit den Gästen oder ganz alleine im Korb, es ist ausgleichend und entspannend.« Die ersten Minuten sind für Neulinge zwar aufregend. Aber das legt sich schnell. »Ich habe noch nie jemanden getroffen, dem die Fahrt nicht gefallen hat«, erzählt Fraisl. Ihm ist die Begeisterung fürs Ballonfahren vom Vater in die Wiege gelegt worden. Schon früh war er als Helfer dabei, dann galt er als jüngster Pilot Österreichs. Heute hebt er vom Flugplatz Krems ab. Alle packen an Der Ballon wird gemeinsam ausgepackt, dann die Luft hineingeblasen. Langsam bäumt sich der Ballon in den Himmel. Er wirkt größer als erwartet. Der Korb ist einen Meter und zehn Zentimeter hoch. 3 Fragen an ... E Wie sind die ersten Minuten im Korb? Für die Passagiere natürlich aufregend, weil sie beim ersten Mal nicht wissen, was auf sie zukommt. Aber dann merken sie schnell, es ruckelt und wackelt nichts. Es fühlt sich so an, wie wenn man zu Hause auf der Terrasse steht und in die Landschaft schaut. Ganz angenehm. Was ist das Faszinierende am Ballonfahren? In meinem Leben habe ich so um die 3.000 Fahrten gemacht und jede davon war anders. Du kannst jeden Tag vom gleichen Ort aus starten und jedes Mal wird die Natur eine andere Route vorgeben. Die beste Jahreszeit für eine Ballonfahrt ist? Das ist Geschmackssache. Jede Jahreszeit hat ihren Reiz – das Frühjahr, wenn alles blüht, der Sommer, wenn alles saftig grün ist, oder der Herbst mit seinen bunten Blättern. Aufgrund des Wetters sind im Winter seltener Fahrten möglich, im August hingegen können wir fast täglich starten. BALLONPILOT CHRISTOPH FRAISL
WACHAU MAGAZIN 2026 | 27 anders. Man hat nie das Gefühl, man steht auf etwas, von wo man runterkippen könnte«, weiß Mörtinger. Er lernte durch das Segelflieger Ballonfahrer kennen und war sofort fasziniert. »Ich mag das Lächeln der Gäste. Für manche geht mit einer Ballonfahrt ein echter Lebenstraum in Erfüllung.« Es ist anders als mit dem Flugzeug, nicht vergleichbar mit dem herkömmlichen Fliegen. »Es beginnt schon mal damit, dass man bereit ist, sich den Naturelementen auszuliefern. Schließlich können wir beim Start noch nicht sagen, wo genau wir landen werden«, sagt Mörtinger. Der Ballon wird mit dem Korb von der Luft getragen. Deshalb heißt es nicht fliegen, sondern fahren. Schnell geht gar nichts Die Piloten kommen mit den verschiedenen Wind- und Geländeverhältnissen gut zurecht. »Warme Luft ist leichter als kalte Luft, das ist der Schlüssel, warum ein Ballon überhaupt abhebt«, erklärt Mörtinger. In Summe sind das fast vier Tonnen bewegte Masse. »Wenn ich mit meinem Ballon sanft landen will, muss ich vorher die richtigen Aktionen setzen.« Schnell geht gar nichts. Timing und Gefühl sind gefragt. Obwohl mithilfe moderner Technik wie GPS gearbeitet wird, haben sich die wesentlichen Handgriffe seit Jahrhunderten kaum verändert. Ist einmal ein Landeplatz erspäht, sinkt der Ballon. Der Boden kommt näher. Alle blicken konzentriert nach unten. Festhalten und ein bisschen in die Knie gehen. Zack. Der Korb steht. Ballonseide und Seile fallen in sich zusammen. Leichtigkeit des Lebens Obwohl alle auf der Erde sind, scheinen die Gedanken noch im Himmel zu schweben. Ein schönes Gefühl, befreit zu sein vom Alltag. Bevor es zurück zum Flugplatz geht, werden die Neulinge nach ihrer ersten Fahrt »getauft« und bekommen einen Titel als Ballonfahrer verliehen. Diese alte Tradition geht auf die Anfänge der Ballonfahrt im 18. Jahrhundert zurück. Damals war das Abenteuer dem Adel vorbehalten. Heute kann sich jeder den Traum vom Fliegen, pardon Fahren, erfüllen und für ein paar Stunden Prinzessin oder Ritter der Lüfte werden. »Wer auf eine Bierkiste steigen und von ihr runterspringen kann, kann auch in den Korb klettern«, lacht Martin Mörtinger. Auch er ist Ballonpilot in der Wachau. Einmal hineingekraxelt, ist man auch schon in der Luft. Kein Wind, der die Haare zersaust. Keine Kälte, die in die Knochen steigt. Kein Motorenlärm, der am Ohr vibriert. Stattdessen Staunen und Stille. Alle sind beschäftigt mit dem Schauen. Je höher der Ballon steigt, desto ruhiger wird es. Es ist ein Eintauchen in die Landschaft mit Sanftmut und magischem Morgenlicht. In den Tag schweben Der Blick wird klarer. Die Häuser kleiner. Kontrast und Farben intensiver. Der Pilot kümmert sich ums Auf- und Absteigen sowie die Flughöhe. Die Richtung gibt der Wind vor. Im Zeitlupenmodus gleitet der Korb ruhig dahin. Es ist ein sicheres Gefühl. »Der Kopf arbeitet in einem Ballon Startplatz mit Parkplätzen: Flugplatz Krems Termine, Fahrtstrecke & Landeplatz: wetterabhängig morgens oder abends, Montag bis Sonntag Gut zu wissen: Erst zwei Tage vor dem Start kann eine verlässliche Auskunft über Start und Wetter gegeben werden, Spontanbuchungen sind möglich, besser ist es früher zu reservieren. Gefahren wird nur bei schöner Wetterlage, das heißt trockene Wege und Felder, Temperaturen bis maximal 30 Grad und keine Thermik. Dann legt der Ballon zwischen zehn bis 20 Kilometer zurück. Kosten pro Person: 300 Euro, Rücktransfer zum Startplatz inklusive Anmeldung: am besten telefonisch Dauer: rund drei Stunden, davon mindestens eine Stunde in der Luft Platz im Korb: 2 bis 14 Passagiere Kleidung: bequeme Freizeitkleidung wie für eine einfache Wanderung, keine High Heels Termin: Kremser Ballontage: jedes Jahr rund um den 15. August ANBIETER: Bandlkramer Ballooning: www.bandlkramerballooning.at, Telefon: +43 664/188 74 20 (Christoph Fraisl) USFC Krems/Donau: www.flugplatz-krems.at, Telefon: +43 664/75 12 69 96 (Manuel Brustbauer) Ballonfahrten in der Wachau Allein schon beim Start in Krems gibt es vom Ballon aus tolle Panoramaausblicke. Abheben leicht gemacht: Christoph Fraisl und Michael Abel sind erfahrene Piloten und begeistern Gäste im Ballon mit Anekdoten und Fachwissen.
Auch wer nicht – wie auf den Seiten zuvor beschrieben – mit einem Ballon über das mittelalterliche Miniaturstädtchen schwebt, an zauberhaften Panoramaplätzen mangelt es in Dürnstein nicht. Wir verraten, wo Sie fürs ultimative Selfie unbedingt vorbeischauen sollten. MAGISCHE Aussichten Foto: Frank Heuer Foto: Gregor Semrad BAROCKE PRACHT »Das Gute, das Schöne und das Wahre« sind die zentralen Ausstellungsthemen im Stift Dürnstein, dessen Rundgang seit einem Umbau auch um bis dahin nicht zugängliche Bereiche erweitert wurde. Von der Donauterrasse bietet sich das perfekte Fotomotiv aus Landschaft und blauem Kirchturm. Letzterer lässt sich auch im witzigen Selfie-Spiegel im Stiftshof optisch integrieren. DIE KÖNIGLICHE RUINE Ob gemütlich über den Themenweg mit Infos rund um die Gefangenschaft von Englands König Richard Löwenherz oder ein wenig steiler mit gutem Schuhwerk (!) über den »Eselsteig«: Erst der rund 20-minütige Aufstieg zur Ruine Dürnstein macht den Wachau-Besuch perfekt. Als Belohnung wartet ein sagenhaftes Panorama über die Altstadtdächer und die Donau. Linker Hand das Städtchen Stein bei Krems mit der stählernen Donaubrücke, rechter Hand das Donautal hinauf nach Weißenkirchen – und gegenüber die malerischen Obst- und Weingärten am Südufer und der Dunkelsteiner Wald. Mit anderen Worten: UNESCO-Welterbe zum Niederknien!
WACHAU MAGAZIN 2026 | 29 Foto: Georg Pomassl Foto: Günter Standl GROSSES LANDSCHAFTSKINO Was für ein unglaublich zauberhafter Platz! Hoch über der Donau wirkt die Terrasse von Schloss Dürnstein wie eine Filmkulisse. Nicht zu toppen abends, wenn’s bei Sonnenuntergang fast schon ein klein wenig kitschig wird. Passend zum Wachauer Edel-Ambiente wird klassisch österreichisch aufgekocht, Filetspitzen Stroganoff oder Tafelspitz dürfen dabei nicht fehlen, und die am Tisch flambierten Marillen sind immer wieder ein wunderbares Erlebnis. Einkehren lohnt sich auch untertags, sei es zum Lunch, auf ein Glas Wein oder Kaffee und Kuchen oder, gegen Voranmeldung, zum Frühstück oder zum eleganten, nachmittäglichen Afternoon-Tea«. www.schloss.at « DONAUWELLEN-ROMANTIK So geht Geschichte! Bereits seit 1358 ist die heute auch für Radfahrer nutzbare Personenfähre von Dürnstein nach Rossatz registriert. Damit einmal ans Südufer überzusetzen sollte man sich nicht entgehen lassen. Zumal es von dort die ultimative Postkartenansicht des Kuenringerstädtchens gibt. Traditionelle Holzzillen für 10 oder 12 Personen stehen außerdem für individuelle Ausflugsfahrten bereit. Für kleine Gruppen ein besonderes Erlebnis, da die Touren nach individuellen Wünschen zusammengestellt werden können. Überaus beliebt sind Weinverkostung mit kleinen Häppchen, bei denen jeweils jene Weine im Glas sind, an deren Rieden gerade gemütlich vorbeigeschippert wird. www.bootstouren-wachau.at Foto: Gregor Schweinester FORELLE UNTER KASTANIEN Nur wenige Schritte von der Dürnsteiner Hauptstraße verbirgt sich mit der Restaurantterrasse des Hotels Richard Löwenherz ein stilles Refugium mit großartiger Aussicht. Abgeschirmt von alten Kastanienbäumen, die natürlichen Schatten spenden, eröffnen die Tische einen weiten Blick auf Donau und Südufer. Entsprechend der Tradition des historischen Anwesens, das auch Mitglied der elitären Kooperation der Schlosshotels und Herrenhäuser« ist, wird die feine bürgerliche Küche hochgehalten. Backhenderl, Forelle Müllerin und Kalbsschnitzerl sind legendär, wer Süßes liebt, kommt um die Malakoff-Torte nicht herum. Und um die Marillenknödel zur Saison. www.richardloewenherz.at «
RkJQdWJsaXNoZXIy NzA5MzY2