Cirque Gourmet 22
24 Cirque Gourmet 2021 Welche Bedeutung hat das alpine Umfeld für Lebensgefühl, Arbeit und Kreativität? Klemera: Für mich gehört dieses Lebensgefühl in die Berge. Die Urkraft, die mir speziell die Dolomiten vermitteln, ist ein Wahnsinn. Und dann gibt es diese Momente wie heute, als ich mit dem Motorrad ins Sarntal gefahren bin. Da will ich einfach stehenbleiben, mir im Wald ein paar Pilze holen und sie mir gleich daheim im Pfandl herausbraten. Das ist so ein Gefühl von Natürlichkeit, Leben, Lebensfreude, das ich nur hier so empfinde. Ich muss nicht für alles Geld ausgeben, um mich zu erfreuen und verwöhnen, ich kann das vor der Haustür tun. Und das hat mit der Entwicklung meiner Arbeit ganz viel zu tun. Wenter: Energie holen funktioniert auch von draußen, und es ist für mich wichtig, manch- mal die Perspektive zu ändern und von außen hereinzuschauen. Dann denke ich: Was kannst du tun, damit jemand zu dir hereinkommt, um zu entdecken welches Juwel das eigentlich ist? Klemera: Das ist einer der wenigen Punkte, in denen ich Gregor nicht beistimme: Ich muss nicht denken wie ich die Menschen begeistern kann, sondern wie ich mich selbst begeistere. Ich muss dem entlang gehen was ich in mir spüre, und wenn das ein Fehler war, wird sich das herausstellen. Aber dann war es halt einer, und das hält mich nicht davon ab, immer wieder meiner Begeisterung zu folgen. An welchen Plätzen, in welchem Umfeld fließen eure Ideen am besten? Wenter: Wenn ich auf den Berg gehe, im Biwak schlafe und am nächsten Morgen heruntersteige, habe ich die doppelte Power in mir, als wenn ich eine Woche am Meer gewesen wäre. Die Berge geben mir zugleich Kraft und Entspannung. Und ums Haus herum gibt es Plätze, an denen ich schon als Kleinkind am liebsten war. Das ist bis heute so geblieben. Ich bin sicher, dass da Energie aus der Erde herauskommt. Klemera: Bei mir fließt es am besten, wenn ich in Bewegung bin, ob ich mit dem Rad fahre oder einfach zwei Stunden gehe. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Kollektionsteile, wie viele Bestseller ich beim Gehen gefunden habe. Habt ihr das Gefühl, dass sich eure Lebenshaltung ausbreitet oder bleibt das eine individuelle Angelegenheit? Wenter: Es wird sehr viel darüber geschrieben, sehr viel darüber geredet – und sehr wenig gelebt. Für mich persönlich gilt: Ich möchte nie eigens betonen müssen, wir sind nachhaltig, wir betreiben »no waste« und wir sind regional, weil das für mich total selbstverständlich ist. Klemera: Ich weiß nicht, ob sich das ausbreitet, aber ich glaube, dem Gregor und mir tut es schon allein gut darüber zu reden, weil wir dann wieder wissen wie gut es uns geht. Wir haben schon ein sehr geiles Lebensgefühl. Was bedeutet für euch Erfolg? Wenter: Ich bin keiner, der jeden Tag auf die Zahlen schaut. Natürlich schaue ich, was am Ende des Jahres rauskommt und dass sich das mit allen Verpflichtungen ausgeht. Aber das größte Betriebsergebnis für mich ist, wenn du es schaffst, mit 20 Mitarbeitern ein ganzes Jahr ohne Krankheitsfälle auszukom- men, denn dann hast du ein Klima das passt. Meine Philosophie ist aufeinander zu schauen, aufeinander achtzugeben und nicht nur zu schreien: Leistung, Leistung, Leistung. Klemera: Ich bin für mich erfolgreich, obwohl ich keinen Porsche fahre und in Miete wohne. Aber ich bin auch ein Getriebener und habe mit meiner Marke noch sehr viel vor. Ich bin mit ganzer Kraft in der Arbeit und muss meine Erfüllung erst finden. Und ich will diese Erfüllung wahrscheinlich finden, um mich nicht satt zu fühlen und zurückzulehnen. Aber ich glaube, so sind wir Südtiroler überhaupt. Ein bewegtes Volk, das sich selbst antreibt. Wenter: Coole Worte. Was hättet ihr gern, was der andere hat? Klemera: Ich bewundere Gregor als Gast- geber, der ich vom Wesen her auch bin. Ich liebe Menschen, ich liebe es, wenn sich Menschen wohlfühlen. Gregor vereint auf wunderbare Weise Kultur, Lust und Gastlich- keit. Und er hat mit dem Bad Schörgau einen Fixpunkt, an dem er Gastgeber sein kann. Wenter: Lustig, bei mir ist es umgekehrt. Wir hängen hier viel rum, und die Faszination des Reisens, des Herumkommens ist groß. Die Modeszene ist eine sehr kreative, und da würde ich mich auch gern aufhalten, da ist viel positive Energie. Unsere positive Energie hier ist auch schön, aber sie ist immer sehr ähnlich. Nicht dass ich neidisch bin, aber ein bisschen schon. 2 Übernachtungen inkl. Genießer-HP für 2 Personen im Genießerhotel Bad Schörgau. Mitmachen auf www.geniesserhotels.com GEWINNEN SIE Foto: Frank Heuer Entspannung mit herrlichem Fernblick. Der Seppl-Stodl als Rahmen für originelle Events.
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NzA5MzY2