Cirque Gourmet - Frühjahr / Sommer 2018

24 Cirque Gourmet 2018 In den letzten Jahren hat sich mit dem Pét Nat ein prickelnder Wein in Österreich neu etabliert. Hergestellt wird dieser nach einer sehr alten, aus Frankreich stammenden Methode. Petra Bader, Deutschlands Sommelière des Jahres 1991 bzw. Österreichs 1999, die früher selbst ein Restaurant mit Michelin-Stern führte, zählt zu den renommiertesten Weinexpertinnen im Alpen- raum. Sie ist Redaktionsleiterin des Weinguides Gault Millau Österreich. Pét Nat – steht kurz für Pétillant Naturel und bedeutet aus dem Französischen übersetzt »natürlich prickelnd«. Der große Unterschied zu Sekt, Champagner oder Cava: Es braucht für die Perlage keine zweite Gärung. Beim traditionellen Verfahren wird bekanntermaßen fertiger Wein abgefüllt und mit Zucker sowie Hefe versetzt, dass er wieder zu gären beginnt. Die Kohlensäure, ein Nebenprodukt der alkoholischen Gärung, kann durch die verschlosse- nen Flaschen nicht entweichen und wird in der Flüssigkeit gebunden. Der Wein moussiert. Archaische Herangehensweise Pét Nat dagegen folgt der »Méthode Ancestrale«, die ursprünglich aus der südfranzösischen Gegend rund um Limoux stammt, aber auch in anderen Gebieten der Grande Nation immer populärerer wird. Sie ist die älteste Art und Weise, um Wein zum Schäumen zu bringen. Die Gärung beginnt im Fass oder Tank. Noch währenddessen, im Stadium das als Sturm bekannt ist, wird in Flaschen gefüllt. Der Werdungsprozess und somit die Bildung der Perlen wird hier vollendet. Der Winzer muss kaum technisch eingreifen. Er braucht nur Zeit, Vertrauen und Geduld. Allerdings entwickeln sie sich sehr individuell, sodass es zu Unterschieden kommen kann. Facettenreicher Speisenbegleiter Da Pét Nat ohne jegliche Zusätze auskommt, punktet er durch seine hohe Bekömmlichkeit. Meist greifen Bio-Weinbauern die Methode auf. Momentan sind Pét Nats noch ein Nischenprodukt, aber durch ihren fröhlichen, unkomplizierten Charakter werden sie immer beliebter. Sie eignen sich perfekt als unkomplizierter Apero. Ihre Bandbreite an unterschiedlichen Rebsorten ist groß. Meist sind Pét Nats weiß, einige Winzer keltern sie auch als Rosé oder rote Variante. Die meisten werden bewusst naturtrüb belassen und kommen mit Kronkorken auf den Markt. 3 EMPFEHLUNGEN ÖSTERREICHISCHER WINZER 2017 Purist, Weingut Fritsch, Kirchberg am Wagram ( www.weingut-fritsch.at) Das Pét Nat Erstlingswerk von Karl Fritsch. Er keltert ihn je zur Hälfte aus Riesling und Gelbem Muskateller. Der Wein duftet erfrischend nach hellen Blüten, saftiger Steinobstfrucht und hat einen lebhaften Charakter. 2017 Bambule S, Weingut Beck, Gols am Neusiedlersee (www.weingut-beck.at ) Judith Beck war eine der ers- ten, die Pét Nat in Österreich herstellte. Ihr St. Laurent wird nach der Ernte gleich gepresst, zeigt einen leichten Kupferton und vereint feine, burgundige Beerenfruchtig- keit mit zarter Würze. 2017 Kalkstaub, Weingut Weninger, Horitschon im Mittelburgenland (www.weniger.com ) Nomen est omen – Franz Weningers Kalkstaub ist ein naturtrüber Pét Nat aus der Sorte Pinot Noir. Er stammt von Trauben der Ried Kalkofen und spiegelt die Mineralität des Terroirs perfekt wider. Vor seiner Abfüllung lagert er im Beton-Ei. Pét Nat – der neue Schaumwein-Trend P E T R A B A D E R S W einkolumne Foto: www.wildbild.at

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